Definition
Kreativitätstechniken sind strukturierte Verfahren, mit denen Einzelne oder Gruppen gezielt Ideen und Lösungen erzeugen, indem sie gewohnte Denkmuster bewusst durchbrechen.
Kreativitätstechniken geben der Ideensuche einen Rahmen: feste Regeln, Schritte oder Rollen, die verhindern, dass eine Runde bei den ersten naheliegenden Einfällen stehen bleibt. Sie helfen, ein Problem genauer zu fassen, Blockaden zu lösen und in kurzer Zeit viele, auch ungewöhnliche Ideen zu sammeln. Eine der bekanntesten Techniken, das Brainstorming, hat Alex F. Osborn 1953 in seinem Buch „Applied Imagination“ beschrieben.
Beispiel: Ein Malerbetrieb möchte ein Wartungsangebot für Hausverwaltungen entwickeln. Der Inhaber setzt sich mit allen fünf Beschäftigten eine halbe Stunde zusammen; jeder schreibt zunächst still Ideen auf Karten, erst danach wird sortiert und bewertet. So kommen auch die Vorschläge der Gesellen auf den Tisch, die sonst selten zu Wort kommen.
Wofür Kreativitätstechniken eingesetzt werden
- Ideen für neue Produkte, Angebote oder Geschäftsideen sammeln
- Fragestellungen und Probleme genauer fassen
- festgefahrene Diskussionen und Denkblockaden lösen
- Ideen weiterentwickeln, prüfen und auswählen
Arten von Kreativitätstechniken
Üblich ist die Einteilung in drei Gruppen. Viele Techniken lassen sich allein oder in der Gruppe anwenden; Gruppen bringen meist mehr und vielfältigere Ideen hervor.
- Intuitive Methoden setzen auf freie Assoziation und spontane Einfälle, um in kurzer Zeit viele Ideen zu erzeugen. Beispiele: Brainstorming, Brainwriting, Mindmapping, Reizwortanalyse.
- Diskursive Methoden gehen schrittweise und systematisch vor, indem sie ein Problem zerlegen und Kombinationen durchspielen. Beispiele: Morphologischer Kasten, SCAMPER-Checkliste, Osborn-Checkliste, Ursache-Wirkungs-Diagramm.
- Kombinierte Methoden verbinden beides, etwa freies Sammeln mit anschließender strukturierter Prüfung. Beispiele: Walt-Disney-Methode, Sechs Denkhüte, Zukunftswerkstatt.
Auch Sketchnotes werden zu den Kreativitätstechniken gezählt, weil sie Gedanken bildhaft festhalten und dadurch neue Verbindungen sichtbar machen.
Kreativitätstechniken im Überblick
| Technik | Art | Personen | Zeit (Richtwert) | Gut für |
|---|---|---|---|---|
| Brainstorming | intuitiv | 5–10 | 10–30 Minuten | schnell viele Ideen im Team |
| Brainwriting, 6-3-5-Methode | intuitiv | 6 (variabel) | rund 30 Minuten | stille Runden, Gruppen mit Vielrednern oder Hierarchie |
| Mindmap | intuitiv | allein oder klein | 15–30 Minuten | Gedanken zu einem Thema ordnen |
| Reizwortanalyse | intuitiv | allein oder Gruppe | 15–30 Minuten | festgefahrene Runden mit einem zufälligen Begriff aufbrechen |
| Morphologischer Kasten | diskursiv | 1–5 | 30–90 Minuten | Angebote oder Produkte aus Merkmalen systematisch kombinieren |
| SCAMPER-Checkliste | diskursiv | allein oder Gruppe | 30–60 Minuten | Bestehendes verändern: ersetzen, kombinieren, anpassen, weglassen |
| Walt-Disney-Methode | kombiniert | 1–6 | 45–90 Minuten | eine Idee aus drei Blickwinkeln prüfen |
| Sechs Denkhüte | kombiniert | 4–8 | 45–90 Minuten | Diskussionen ordnen, alle Sichtweisen nacheinander |
Kreativitätstechniken anwenden: so geht es
- Frage formulieren: Das Problem als offene Frage aufschreiben, etwa „Wie verkaufen wir mittags mehr?“ statt „Mittagsumsatz zu niedrig“.
- Technik wählen: für viele schnelle Ideen eine intuitive Methode, für ein Angebot aus mehreren Bausteinen eine diskursive, für die Prüfung einer fertigen Idee eine kombinierte.
- Ideen sammeln ohne Bewertung: Menge vor Güte, Kritik erst später, Zeit vorher festlegen und ausnutzen.
- Sortieren und bewerten: ähnliche Ideen zusammenfassen, dann nach Nutzen und Aufwand einordnen.
- Nächsten Schritt festlegen: wer probiert was bis wann aus; ohne diesen Schritt bleiben die besten Ideen auf dem Flipchart.
Beispiel: Bäckerei entwickelt ein Mittagsangebot
Eine Bäckerei mit drei Filialen möchte mittags mehr Handwerker aus der Nachbarschaft gewinnen. Die Inhaberin sammelt mit zwei Filialleiterinnen zunächst zehn Minuten still Ideen auf Karten (Brainwriting) und baut daraus einen morphologischen Kasten: je Merkmal eine Zeile, je Möglichkeit eine Spalte.
| Merkmal | Möglichkeit 1 | Möglichkeit 2 | Möglichkeit 3 |
|---|---|---|---|
| Produkt | belegtes Brötchen | warmer Snack | Salat |
| Paket | einzeln | mit Getränk zum Festpreis | Zehnerkarte |
| Bestellung | an der Theke | Vorbestellung per WhatsApp bis 10 Uhr | App eines Lieferdienstes |
| Ansprache | Aufsteller vor der Tür | Flyer bei den Betrieben im Gewerbegebiet |
Vor- und Nachteile
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| In kurzer Zeit viele, auch ungewöhnliche Ideen | Ohne klare Frage entstehen viele Ideen, aber keine passende |
| Alle im Team kommen zu Wort, besonders bei stillen Methoden | Vorbereitung und Moderation kosten Zeit |
| Gewohnte Denkmuster werden bewusst durchbrochen | Ideen müssen danach noch geprüft und umgesetzt werden |
| Wenig Material nötig: Karten, Stifte, Wand | Wirkt bei Routineaufgaben oft aufgesetzt |
Typische Fehler
- Ideen sofort bewerten: „Das haben wir schon probiert“ beendet jede Runde.
- Der Chef spricht zuerst und gibt damit die Richtung vor.
- Zu viele Teilnehmende oder keine feste Zeit.
- Keine Auswertung und kein nächster Schritt.
Die vier Phasen der Ideenfindung
Der britische Sozialwissenschaftler Graham Wallas beschrieb 1926 in „The Art of Thought“ vier Phasen des kreativen Denkens:
- Vorbereitung (Präparation): Das Problem wird erkannt, Informationen werden gesammelt.
- Inkubation: Man lässt das Problem ruhen; unbewusst wird weiter daran gearbeitet.
- Erleuchtung (Illumination): Die Lösungsidee taucht auf, oft plötzlich.
- Überprüfung (Verifikation): Die Idee wird auf Machbarkeit geprüft und ausgearbeitet.
Kreativitätstechniken wirken vor allem in der Vorbereitung und beim Erzeugen von Ideen. Sie setzen voraus, dass Problem und Ziel vorher klar benannt sind. Welche Technik passt, hängt von der Aufgabe, der Gruppe und der verfügbaren Zeit ab.
Was heißt das für meinen Betrieb?
Im kleinen Betrieb reichen zwei oder drei Techniken, die alle kennen: eine stille Sammelrunde für neue Ideen, ein morphologischer Kasten für Angebote mit mehreren Bausteinen und die Walt-Disney-Methode, um eine fertige Idee vor der Umsetzung zu prüfen. Eine halbe Stunde mit klarer Frage bringt meist mehr als ein langer Workshop. Ideen für neue Angebote führen oft weiter zur Geschäftsidee oder zu einem neuen Marketing-Schwerpunkt.
Häufige Fragen
Welche Kreativitätstechniken sind am bekanntesten?
Brainstorming, Brainwriting mit der 6-3-5-Methode, Mindmapping, der morphologische Kasten, die Walt-Disney-Methode und die Sechs Denkhüte. Welche passt, hängt von Frage, Gruppe und Zeit ab.
Was ist der Unterschied zwischen intuitiven und diskursiven Methoden?
Intuitive Methoden setzen auf freie Assoziation und bringen schnell viele Ideen. Diskursive Methoden zerlegen ein Problem in Teile und kombinieren die Lösungen systematisch; sie dauern länger, bringen aber vollständigere Ergebnisse.
Welche Kreativitätstechnik eignet sich für eine Person allein?
Mindmapping, Reizwortanalyse, SCAMPER-Checkliste und der morphologische Kasten funktionieren gut allein. Die Walt-Disney-Methode lässt sich ebenfalls allein anwenden, indem man die drei Rollen nacheinander einnimmt.
Welche Phasen hat der kreative Prozess?
Nach Graham Wallas (1926) vier: Vorbereitung, Inkubation, Erleuchtung und Überprüfung. Andere Modelle teilen feiner ein, etwa mit einer eigenen Phase für die Ausarbeitung. Kreativitätstechniken helfen vor allem in der Vorbereitung und beim Erzeugen von Ideen.
Verwandte Begriffe
- Brainstorming Ideen in der Gruppe sammeln
- Mindmap Gedanken um ein zentrales Thema ordnen
- Walt-Disney-Methode Eine Idee aus drei Rollen prüfen
- Sketchnotes (Sketchnoting) Notizen aus Text und Zeichnung
Quellen
- Behörde Organisationshandbuch, Brainwriting
- Behörde Organisationshandbuch, Morphologie (morphologische Matrix)
- Fachliteratur Applied Imagination: Principles and Procedures of Creative Thinking
- Fachliteratur The Art of Thought