Was ist ein Prozess? …nachfolgend näher anhand der Definition und am Beispiel erklärt.

Definition Prozess

Als Prozess wird das Gesamtkonstrukt mehrerer einzelner Vorgänge bezeichnet, die aufeinander einwirken und zum Erfolg des Gesamtkonstrukts beitragen. Ein Prozess kann dabei aus Tätigkeiten, Energien sowie auch Materialien und Informationen bestehen, welche gespeichert, transformiert oder umgewandelt werden, um eine neue Form herzustellen.

Die Begrifflichkeit leitet sich vom mittelhochdeutschen Wort process (Erlass, gerichtliche Entscheidung) ab, welches wiederum aus dem Lateinischen processus (das Fortschreiten, Verlauf) zu procedere (vorwärts gehen) stammt. Vergleichbare Begriffe und Synonyme sind Gerichtsverfahren, Verhandlung, Rechtsstreit, Abfolge, Ablauf, Hergang, Verlauf, Vorgang oder auch Entwicklung (je nach Themenrelevanz).

Nach DIN IEC 60050-351 wird ein Prozess (technisch) als „Gesamtheit von aufeinander einwirkenden Vorgängen in einem System, durch die Materie, Energie oder Information umgeformt, transportiert oder gespeichert wird“ beschrieben und nach ISO 12207 ist ein Prozess „ein Satz von in Wechselbeziehungen stehenden Mitteln und Tätigkeiten, die Eingaben in Ergebnisse umgestalten. Prozesse werden häufig auch in Teilprozesse zerlegt“.

Ursprünglich handelte es sich dabei um einen Rechtsbegriff. Der Begriff Prozess wird heute jedoch vielfältiger und in erster Linie in den Bereichen

  • Recht
  • IT (tlw. allg. Naturwissenschaft)
  • Unternehmenswirtschaft
  • Finanzwesen

verwendet. In diesen vier Bereichen kommt der Begriff Prozess seiner allgemeingültigen Definition noch am nächsten.

Ursprünglich geprägt wurde der Begriff Prozess bereits im frühen 19. Jahrhundert als Vorgang des „vorwärts Schreitens“, was sich aus der lateinischen Ursprungsbegrifflichkeit procedere ableitete.

Ein Prozess kann daher auch als ein Verlauf oder eine Entwicklung angesehen werden, welche in einem System durch einzelne Vorgänge erreicht wird.

Prozess Beispiel: anhand der Verwendung in verschiedenen Bereichen

Nachfolgend werden Beispiele der Anwendung des Prozessbegriffs in unterschiedlichen Bereichen näher dargestellt und erläutert.

Prozess als Rechtsbegriff

Im Bereich der Gesellschaft und des Rechts ist ein Prozess ein gerichtlicher Ablauf (respektive Rechtsstreit), welcher als logische Konsequenz einer vorhergegangenen Tätigkeit auf der Basis von gesellschaftlichen Werten und Normen und des damit verbundenen Gesetzes abgehalten wird. Im Rahmen dieses Prozesses soll durch mehrere Einzeltätigkeiten von Beteiligten ein Zustand der Rechtbarkeit wiederhergestellt werden. Der Erfolg dieses Prozesses ist jedoch abhängig von mehreren vorherigen Abläufen, welche durch die jeweiligen Beteiligten durchgeführt werden. Es gibt im Recht verschiedene Prozessarten, welche sich nach der Art und Güte der vorhergegangenen Handlung richten.

Prozess als Begriff aus der IT

In der Informatik und Informationstechnik (und häufig auch in der Naturwissenschaft im Allgemeinen angewendet) wird der Prozess zumeist als ablaufendes Programm beschrieben, welches Teil eines Obersystems ist. Unterschieden wird jedoch hierbei zwischen einem deterministischen Prozess, bei welchem eine Kausalabhängigkeit eines jeden einzelnen Zustands besteht, und einem stochastischen Prozess. Der stochastische Prozess beruht dabei auf Zufällen oder Wahrscheinlichkeiten. Als Prozess können auch viele kleine Berechnungen bezeichnet werden, welche dann letztlich ein Ergebnis für den Nutzer liefern.

Prozess als Begriff der Betriebswirtschaft

Im Bereich der Betriebswirtschaft und im Unternehmertum wird der Prozess vornehmlich in der Produktion sowie in der Wirtschaftsprüfung verwendet (siehe Geschäftsprozess). Der Begriff Prozess beschreibt hierbei die Entstehung eines Gesamtprodukts aus vielen einzelnen kleinen Komponenten, die Produktion, sowie der Prüfung. Sowohl in der Produktion, als auch in der Prüfung, ist das Gesamtergebnis abhängig von vielen Unterprozessen, die voneinander abhängig sind. Die Prüfung unterscheidet hierbei jedoch verschiedene Unternehmensebenen voneinander. In der gängigen Praxis bietet die Begriffsdefinition Prozess das Risiko, dass gewisse Unternehmensebenen im Rahmen der Prüfung miteinander verwechselt werden. Jede Unternehmensebene startet einen Prozess, um ein Gesamtergebnis für das Unternehmen erreichen zu können.

Prozess als Finanzbegriff

In der Finanzwelt und Finanzwirtschaft kommt der Begriff Prozess vorwiegend im Kreditgeschäft zum Einsatz. Beschrieben wird hierbei die Tätigkeit einer Kreditvergabe, welche aus mehreren Prozessen besteht. Der Prozess nimmt seinen Anfang mit einem Anliegen eines Kreditnehmers, der seinerseits mit dem Kreditantrag den Prozess startet. Das Ziel des Prozesses ist dabei unterschiedlich ausgelegt. Während der Kreditnehmer den Prozess mit dem Ziel startet, den Kredit erhalten zu können, nimmt der Kreditgeber den Prozess auf mit dem Ziel, den Erfolg des Prozesses erst einmal zu betrachten. Für den Kreditgebenden startet dann der Prozess der Risikobewertung auf der Grundlage eigens festgelegter Kriterien. Das Ziel des Prozesses für den Kreditgeber ist, möglichst ein sicheres Geschäft ohne Wertverlust zu tätigen. Der Kreditgeber nutzt das Input eines Kreditgebers, um seinerseits mit möglichst geringem Risiko einen Output zu erzeugen. Die Prüfungsphase ist ein wesentlicher Bestandteil des Prozesses und erfordert wiederum eine Handlung des Kreditgebers, welche ihrerseits ebenfalls als Prozess bezeichnet werden kann.

Entstehung des heutigen Prozessbegriffs

Die Untersuchung chemischer Umsetzungsprozesse stand ab Ende des 18. Jahrhunderts im Vordergrund – somit dehnte sich der chemische Prozessbegriff auf weitere Phänomene der Naturwissenschaften aus. Friedrich Wilhelm Joseph Schelling (ein deutscher Philosoph und Anthropologe) stellte eine wechselseitige Beziehung zwischen den Begriffen „Prozeß“ (alte Rechtschreibung) und „Organisation“ dar und bezieht „Prozeß“ sowie „Produktion“ aufeinander. Georg Wilhelm Friedrich Hegel (deutscher Philosoph und Vertreter des deutschen Idealismus) übernimmt den Prozessbegriff Anfang des 19. Jahrhunderts und dehnt diesen in seiner Bedeutung weiter aus. Hegel unterscheidet zwischen einem „theoretischen Prozeß“ und einem „praktischen Prozeß“. Er identifiziert die Begrifflichkeit mit „Bewegung“, wodurch er den Begriff entspezifiziert.

Prozess Synonym

Synonyme für Prozesse sind im heutigen Sprachgebrauch nach Rechtsthemen und allgemeinen Themen zu unterscheiden.

Im Recht:

  • Gerichtsverfahren
  • Rechtsstreit
  • Rechtsstreitigkeit
  • Strafprozess
  • Streitsache
  • Verhandlung

Allgemeiner:

  • Abfolge
  • Ablauf
  • Entwicklung
  • Hergang
  • Reihenfolge
  • Verlauf

Unter Umständen wird der Terminus auch für „Workflow“ verwendet, wenn es um Arbeitsabläufe bei Computerprogrammen oder Vorgänge und Geschäftsprozesse in Unternehmen geht. Ferner findet dieser als Synonym (zumeist umgangssprachlich oder sehr spezifisch angewendet) Einsatz für Fluss, Folge oder Lauf.

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