Geschäftsmodell

Was ein Geschäftsmodell ist, aus welchen Bausteinen es besteht und wie es entsteht: mit Beispielen aus kleinen Betrieben, dem Business Model Canvas und dem Unterschied zu Geschäftsidee und Businessplan.

Kurz beantwortet

Ein Geschäftsmodell beschreibt, wem ein Unternehmen welchen Nutzen bietet, wie es diese Leistung erbringt und womit es Geld verdient. Es steht zwischen Geschäftsidee und Businessplan: Erst wird das Modell geklärt, dann im Businessplan durchgerechnet.

Was ist ein Geschäftsmodell?

Ein Geschäftsmodell (englisch business model) ist die vereinfachte Beschreibung, wie ein Unternehmen funktioniert und Gewinn erwirtschaftet. Eine einheitliche Definition gibt es weder in der Wissenschaft noch in der Praxis. Bewährt haben sich vier Fragen, die der St. Galler Business Model Navigator als magisches Dreieck ordnet: Wer sind die Kunden, was wird ihnen angeboten, wie wird die Leistung erstellt, und wie entsteht daraus Wert, also Umsatz und Gewinn?

Das magische Dreieck des Geschäftsmodells: Kunden in der Mitte, dazu Angebot, Leistungserstellung und Ertragsmechanik (ausgedachtes Beispiel).
FrageBausteinBeispiel: Fahrradwerkstatt
Wer?KundenBerufspendler und Familien im Stadtteil, dazu Firmen, die ihren Beschäftigten Diensträder anbieten
Was?NutzenversprechenReparatur binnen 24 Stunden, auf Wunsch mit Hol- und Bringdienst
Wie?Leistungserstellungeigene Werkstatt mit zwei Mechanikern, Ersatzteile vom Großhändler, Terminbuchung im Netz
Wert?ErtragsmechanikReparaturen nach Festpreisliste, Wartungsverträge, Zubehörverkauf, Provision aus der Vermittlung von Dienstrad-Leasing

Ändert ein Betrieb mindestens zwei dieser vier Bausteine, spricht man von einer Geschäftsmodellinnovation; ein Beispiel ist der Wechsel vom Produktverkauf zum Dienst, siehe Servitization. Den Teil „Wert“ nennt man auch Ertragsmodell oder Erlösmodell: Er legt fest, wofür, wie oft und wie viel Kunden zahlen.

Geschäftsidee, Geschäftsmodell und Businessplan: der Unterschied

BegriffBeantwortetUmfangWofür
GeschäftsideeWas will ich anbieten, welches Problem löse ich?ein Satz bis eine SeiteAusgangspunkt, siehe Geschäftsidee finden
GeschäftsmodellFür wen, wie erstellt, womit verdient?eine Seite, etwa als Canvasprüfen, ob die Idee als Unternehmen funktionieren kann
BusinessplanLohnt es sich, wie viel Geld wird gebraucht, wann trägt es sich?Textteil und Finanzteil für drei JahreBank, Förderung, Gründungszuschuss, Steuerung; siehe Businessplan

Geschäftsmodell-Beispiele aus kleinen Betrieben

Die meisten kleinen Unternehmen arbeiten mit einem dieser Muster oder einer Kombination daraus:

MusterSo wird verdientBeispielWorauf achten
Verkauf von WarenSpanne zwischen Einkauf und VerkaufUnverpacktladen, Kaffeerösterei mit LadengeschäftLager und Wareneinkauf binden Geld
Dienstleistung nach AufwandStundensatzIT-Service für ArztpraxenUmsatz endet, wenn niemand arbeitet; Stundensatz mit allen Kosten kalkulieren
Festpreis oder Paketfester Preis je LeistungGrafikdesignerin mit Logo-Paket inklusive drei EntwürfenUmfang genau beschreiben, sonst frisst Mehrarbeit den Gewinn
Wartungs- oder Servicevertragregelmäßige GebührHeizungsbauer mit jährlicher Wartung, Gebäudereinigung mit Monatsvertragplanbarer Umsatz; Laufzeit und Kündigung regeln
VermittlungProvisionReisebüro, Versicherungsvermittlungoft erlaubnispflichtig, vorher bei der Kammer klären
Vermietung und VerleihGebühr für die NutzungVerleih von VeranstaltungstechnikAuslastung, Wartung und Versicherung der Geräte
LizenzGebühr für ein NutzungsrechtFotografin lizenziert Bilder an AgenturenRechte und Nutzungsumfang vertraglich festhalten
Franchiseeigene Marge, Gebühr an den FranchisegeberNachhilfeschule als FranchisenehmerEinstiegs- und laufende Gebühren, lange Vertragsbindung
Produkt plus DienstVerkauf und FolgeumsatzFahrradladen mit Werkstatt und LeasingDienst muss sich auch allein rechnen

Muster für das Geschäft im Netz wie Abo, Freemium oder Plattform stehen unter Digitale Geschäftsmodelle.

Geschäftsmodell entwickeln in sechs Schritten

  1. Kunden beschreiben: eine konkrete Gruppe mit einem konkreten Problem, nicht „alle“.
  2. Nutzenversprechen formulieren: in einem Satz, warum diese Kunden gerade hier kaufen.
  3. Ertragsmodell wählen: wofür, wie oft und wie viel Kunden zahlen; prüfen, ob eine zweite Einnahmequelle passt, etwa ein Wartungsvertrag neben der Einzelleistung.
  4. Leistungserstellung planen: welche Ressourcen, Partner und Abläufe nötig sind, was selbst gemacht und was eingekauft wird.
  5. Kosten und Gewinnschwelle grob rechnen: Was bleibt je Auftrag nach Fremdkosten, und wie viele Aufträge braucht es im Monat? Ein Rechenbeispiel steht unter Businessplan.
  6. Mit echten Kunden testen und anpassen: Vorbestellungen, Probeaufträge oder ein Angebot an zehn mögliche Kunden zeigen, ob das Modell trägt.

Business Model Canvas: das Geschäftsmodell auf einer Seite

Das Business Model Canvas haben Alexander Osterwalder und Yves Pigneur 2010 im Buch „Business Model Generation“ vorgestellt. Es ordnet das Geschäftsmodell in neun Feldern auf einem Blatt und ist in der Gründungsberatung der Kammern verbreitet. Rechts stehen Kunden und Einnahmen, links Ressourcen, Partner und Kosten, in der Mitte das Nutzenversprechen.

Die neun Felder des Business Model Canvas nach Osterwalder und Pigneur (ausgedachtes Beispiel).
FeldLeitfrageBeispiel: Fahrradwerkstatt
KundensegmenteFür wen schaffen wir Nutzen?Pendler, Familien, Firmen mit Dienstrad-Leasing
NutzenversprechenWelches Problem lösen wir?Reparatur binnen 24 Stunden, Hol- und Bringdienst
KanäleWie erreichen wir die Kunden?Laden, Google-Unternehmensprofil, Kooperation mit Arbeitgebern
KundenbeziehungenWelche Beziehung erwarten die Kunden?persönliche Beratung, Erinnerung an die Inspektion
EinnahmequellenWofür zahlen die Kunden?Reparaturen, Wartungsverträge, Zubehör, Provision
SchlüsselressourcenWas brauchen wir unbedingt?Werkstatt, zwei Mechaniker, Teilelager
SchlüsselaktivitätenWas müssen wir besonders gut können?schnelle Fehlersuche, Teilebeschaffung
SchlüsselpartnerWer hilft uns dabei?Teilegroßhändler, Leasinganbieter
KostenstrukturWas kostet am meisten?Personal, Miete, Ersatzteile

Üblich ist, mit Kundensegmenten und Nutzenversprechen zu beginnen und dann die übrigen Felder zu füllen. Das Canvas ersetzt den Businessplan nicht: Banken und die Agentur für Arbeit verlangen den ausführlichen Plan mit Finanzteil, etwa für den Gründungszuschuss.

Beispiel aus dem Betrieb: Wartungsvertrag statt Einzelreparatur

Ausgedachtes Beispiel: Eine Fahrradwerkstatt in einer Großstadt verdient bisher nur, wenn ein Rad kaputt ist; im Winter bricht der Umsatz ein. Sie ergänzt ihr Geschäftsmodell um einen Wartungsvertrag mit zwei Inspektionen im Jahr zum Festpreis von 99 €. Schließen 250 Kunden ab, stehen 24.750 € Jahresumsatz schon im Januar fest, und die Inspektionen lassen sich in die ruhigen Monate legen. Kunden und Werkstatt bleiben gleich, geändert haben sich Angebot und Ertragsmechanik.

Woran ein tragfähiges Geschäftsmodell zu erkennen ist

  • Kunden zahlen nachweislich, etwa mit ersten Aufträgen oder Vorbestellungen, statt nur zuzustimmen.
  • Der Preis deckt alle Kosten und den eigenen Lebensunterhalt; die Gewinnschwelle ist in absehbarer Zeit erreichbar.
  • Ein Teil des Umsatzes wiederholt sich, etwa über Verträge, Stammkunden oder Nachbestellungen.
  • Das Geschäft hängt nicht an einem einzigen Kunden, Lieferanten oder Portal. Wer dauerhaft im Wesentlichen nur für einen Auftraggeber arbeitet und keine versicherungspflichtigen Beschäftigten hat, ist rentenversicherungspflichtig (§ 2 Satz 1 Nr. 9 SGB VI).
  • Erlaubnisse, Kammerpflicht und Anmeldungen sind geklärt, siehe Gewerbe anmelden.
  • Etwas ist schwer zu kopieren: Standort, Fachwissen, Kundenbeziehungen oder ein eingespieltes Team.

Häufige Fragen

Was bedeutet Geschäftsmodell?

Ein Geschäftsmodell beschreibt, für welche Kunden ein Unternehmen welchen Nutzen schafft, wie es die Leistung erstellt und womit es Geld verdient. Es ist die Grundlogik eines Unternehmens auf einer Seite, noch ohne ausführliche Planzahlen.

Was ist der Unterschied zwischen Geschäftsidee und Geschäftsmodell?

Die Geschäftsidee sagt, was angeboten wird. Das Geschäftsmodell ergänzt, für wen, wie die Leistung erstellt wird und womit Geld verdient wird. Aus einer Idee lassen sich mehrere Geschäftsmodelle bauen, etwa Verkauf, Vermietung oder Abo.

Welche 9 Elemente hat das Business Model Canvas?

Kundensegmente, Nutzenversprechen, Kanäle, Kundenbeziehungen, Einnahmequellen, Schlüsselressourcen, Schlüsselaktivitäten, Schlüsselpartner und Kostenstruktur.

Was ist das magische Dreieck des Geschäftsmodells?

Ein Modell aus dem St. Galler Business Model Navigator: Im Mittelpunkt stehen die Kunden (wer), an den Ecken das Nutzenversprechen (was), die Leistungserstellung (wie) und die Ertragsmechanik (Wert).

Was ist ein Ertragsmodell?

Der Teil des Geschäftsmodells, der festlegt, wofür, wie oft und wie viel Kunden zahlen, etwa Stückpreis, Stundensatz, Festpreis, Abo oder Provision. Ein anderes Wort dafür ist Erlösmodell.

Gibt es ein anderes Wort für Geschäftsmodell?

Ja, üblich sind Geschäftskonzept, Unternehmensmodell und das englische Business Model. Gemeint ist jeweils die Grundlogik, wie ein Unternehmen Kunden gewinnt und Geld verdient.

Quellen

  1. Fachliteratur Business Model Generation2010 · Alexander Osterwalder, Yves Pigneur; Wiley
  2. Fachliteratur Geschäftsmodelle entwickeln: 55+ innovative Konzepte mit dem St. Galler Business Model Navigator3. Auflage, ISBN 978-3-446-46521-3 · Oliver Gassmann, Karolin Frankenberger, Michaela Choudury; Hanser · Stand 7.12.2020
  3. Gesetz Sozialgesetzbuch Sechstes Buch, § 2 Selbständig Tätige§ 2 Satz 1 Nr. 9 SGB VI · Bundesministerium der Justiz · abgerufen 23.10.2026

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Aktualisiert am 23.10.2026 · Geprüft am 23.10.2026 · Redaktion arbeitdigital

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