Kurz beantwortet
Ein Businessplan beschreibt Geschäftsidee, Markt, Finanzierung und Planzahlen einer Gründung. Banken, KfW und Arbeitsagentur (Gründungszuschuss) verlangen ihn als Entscheidungsgrundlage.
Wozu ein Businessplan dient
Ein Businessplan (Geschäftsplan) ist das schriftliche Konzept einer Gründung oder eines neuen Geschäftsfelds. Er besteht aus einem Textteil und einem Finanzteil. Eine gesetzliche Pflicht gibt es nicht, in der Praxis kommt aber kaum eine Gründung ohne ihn aus:
- Planung: Wer die Idee aufschreibt und durchrechnet, erkennt Lücken und Risiken vor dem Start.
- Finanzierung: Banken, Förderbanken und Investoren entscheiden auf seiner Grundlage.
- Gründungszuschuss: Wer aus der Arbeitslosigkeit gründet, muss der Arbeitsagentur die Tragfähigkeit nachweisen, mit der Stellungnahme einer fachkundigen Stelle wie IHK, Handwerkskammer oder Bank (§ 93 Abs. 2 SGB III). Grundlage ist der Businessplan.
- Steuerung: Nach dem Start dient er als Maßstab, ob Umsatz und Kosten nach Plan laufen.
Ein Beispiel aus der Praxis steht unter Bar eröffnen.
Aufbau: was in einen Businessplan gehört
- Zusammenfassung: Idee, Zielgruppe, Kapitalbedarf und wichtigste Zahlen auf einer Seite; wird zuletzt geschrieben.
- Gründerpersonen: Ausbildung, Erfahrung, Rollen im Team.
- Angebot und Geschäftsmodell: Was wird verkauft, welcher Nutzen, wie wird Geld verdient?
- Markt und Wettbewerb: Zielgruppe, Marktgröße, Wettbewerber, eigener Vorteil, Standort.
- Marketing und Vertrieb: Preise, Vertriebswege, Werbung, siehe Marketing.
- Organisation: Rechtsform, Personal, Partner, Genehmigungen.
- Chancen und Risiken: was schiefgehen kann und wie man gegensteuert.
- Finanzteil: Kapitalbedarf, Finanzierung, Rentabilität und Liquidität, meist für drei Jahre, dazu der private Lebensunterhalt.
- Anhang: Lebensläufe, Verträge, Angebote, Marktdaten, Nachweise über Schutzrechte.
Die Zusammenfassung
Die Zusammenfassung (Executive Summary) steht vorn, wird aber zuletzt geschrieben. Viele Leser entscheiden nach dieser einen Seite, ob sie weiterlesen. Sie beantwortet in wenigen Sätzen:
- Was wird angeboten, und welches Problem löst es für wen?
- Warum werden Kunden gerade hier kaufen?
- Wer gründet, und was qualifiziert das Team?
- Wie viel Geld wird gebraucht, wofür, und woher soll es kommen?
- Welcher Umsatz und welches Ergebnis sind in den ersten drei Jahren geplant?
- Ab wann trägt sich das Unternehmen selbst?
Markt und Wettbewerb untersuchen
Die Marktanalyse ist der Teil, an dem viele Pläne scheitern, weil sie zu allgemein bleibt. Entscheidend ist der Markt, den das eigene Unternehmen tatsächlich erreicht: ein Einzugsgebiet, eine Branche, eine klar beschriebene Kundengruppe.
- Zahlen sammeln: amtliche Statistiken des Statistischen Bundesamts und der Landesämter, Angaben von Kammern und Branchenverbänden, Standortdaten der Gemeinde.
- Mit Kunden sprechen: zehn bis zwanzig Gespräche mit möglichen Kunden zeigen oft mehr als jede Statistik. Fragen, was sie heute nutzen, was sie stört und was sie zahlen würden.
- Wettbewerb ansehen: Wer bietet das Gleiche oder etwas, das dasselbe Problem löst? Preise, Stärken und Schwächen in einer Tabelle gegenüberstellen.
- Umsatz von unten rechnen: erreichbare Kunden mal Kaufhäufigkeit mal Preis, statt einen Anteil am Gesamtmarkt anzunehmen.
- Stärken, Schwächen, Chancen, Risiken: Eine SWOT-Übersicht fasst die Ergebnisse zusammen und führt direkt zum Abschnitt Chancen und Risiken.
Der Finanzteil im Detail
Der Finanzteil übersetzt den Textteil in Zahlen. Er besteht aus mehreren Teilplänen, die aufeinander aufbauen. Üblich ist ein Planungszeitraum von drei Geschäftsjahren; im Gründungsjahr zählen nur die Monate, in denen das Unternehmen tätig ist. Beträge werden netto, also ohne Umsatzsteuer, angesetzt.
| Teilplan | Was er zeigt |
|---|---|
| Kapitalbedarfsplan | Alles, was vor und kurz nach dem Start bezahlt werden muss: Investitionen wie Ausstattung, Fahrzeug und Software, Gründungskosten, erste Warenbestellung, Markteinführung und eine Reserve für die Anlaufzeit. |
| Finanzierungsplan | Woher das Geld kommt: Eigenkapital, Kredite der Hausbank, Förderkredite, Zuschüsse. Die Summe muss den Kapitalbedarf decken. |
| Rentabilitätsvorschau | Erwartete Umsätze minus Waren- und Materialeinsatz, Personal, Miete, Marketing, Versicherungen, Abschreibungen und Zinsen. Ergebnis ist der geplante Gewinn oder Verlust je Jahr. |
| Liquiditätsplan | Ein- und Auszahlungen Monat für Monat, einschließlich Kreditauszahlung, Tilgung und Privatentnahmen. Zeigt, ob jederzeit genug Geld auf dem Konto ist. |
| Lebenshaltungskosten | Was Gründerinnen und Gründer privat brauchen: Miete, Lebensunterhalt, Kranken- und Pflegeversicherung, Altersvorsorge und Rücklagen für die Einkommensteuer. Dieser Betrag muss aus dem Gewinn kommen. |
Der Unterschied zwischen Rentabilität und Liquidität ist wichtig: Ein Unternehmen kann auf dem Papier Gewinn machen und trotzdem zahlungsunfähig werden, etwa wenn Kunden spät zahlen oder große Anschaffungen anstehen. Ein Kredit erscheint deshalb nur im Liquiditätsplan, weil er kein Umsatz ist; in der Rentabilitätsvorschau stehen nur seine Zinsen.
Businessplan-Beispiel: Ab wann trägt sich das Geschäft?
Eine Grafikdesignerin plant monatlich 1.200 Euro für Büro, Software, Versicherungen und Werbung und braucht privat 2.400 Euro vor Steuern. Zusammen muss ihr Geschäft also 3.600 Euro im Monat erwirtschaften. Bleiben ihr je Projekt nach Fremdkosten durchschnittlich 600 Euro, braucht sie sechs Projekte im Monat, um die Gewinnschwelle zu erreichen. Plant sie für die ersten Monate nur zwei bis drei Projekte, muss der Kapitalbedarf die Lücke bis dahin abdecken.
Businessplan erstellen in sieben Schritten
- Geschäftsidee und Nutzen für Kunden klar formulieren, siehe Geschäftsidee finden.
- Markt, Zielgruppe und Wettbewerb recherchieren, mit Kundengesprächen und Zahlen von Kammern, Verbänden und Statistikämtern.
- Angebot, Preise und Vertriebswege festlegen.
- Organisation planen: Rechtsform, Personal, Standort, Erlaubnisse.
- Finanzteil rechnen: Investitionen, Anlaufkosten, Umsatz, laufende Kosten, Liquidität, Finanzierung.
- Risiken benennen und Gegenmaßnahmen planen.
- Zusammenfassung schreiben und den Plan von IHK, Handwerkskammer oder Gründungsberatung gegenlesen lassen.
KI-Assistenten können beim Businessplan helfen, etwa eine Gliederung vorschlagen, Texte straffen oder Fragen für Kundengespräche sammeln. Die Marktzahlen, Preise und Planzahlen müssen aber aus eigener Recherche stammen: Banken und fachkundige Stellen fragen nach, woher eine Annahme kommt, und erfundene oder nicht belegte Zahlen fallen dort auf.
Typische Fehler
- Geschäftsmodell unklar: Es wird nicht deutlich, wer wofür bezahlt.
- Markt zu grob: Statt der eigenen Zielgruppe stehen nur bundesweite Gesamtzahlen im Plan.
- Zu optimistische Zahlen: Umsatz kommt sofort, Kosten fehlen, die Anlaufzeit ist nicht eingeplant.
- Keine Reserve: Unerwartete Kosten und Zahlungsverzögerungen bringen die Liquidität in Gefahr.
- Privater Lebensunterhalt, Krankenversicherung und Steuern vergessen.
Anforderungen an einen guten Businessplan
Der Plan ist klar und verständlich geschrieben, vollständig, mit nachvollziehbaren und belegten Annahmen, und auf den Leser zugeschnitten: Eine Bank achtet auf Rückzahlung und Sicherheiten, ein Investor auf Wachstum, die Arbeitsagentur auf Tragfähigkeit. Zahlen sollten eher vorsichtig geschätzt sein.
Businessplan für den Gründungszuschuss
Wer aus der Arbeitslosigkeit eine hauptberufliche Selbstständigkeit startet, kann einen Gründungszuschuss erhalten. Voraussetzung ist unter anderem, dass bei der Gründung noch ein Anspruch auf Arbeitslosengeld von mindestens 150 Tagen besteht. Die Agentur für Arbeit verlangt den Nachweis der Tragfähigkeit durch die Stellungnahme einer fachkundigen Stelle und eine Darlegung der eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten (§ 93 Abs. 2 SGB III). Der Zuschuss ist eine Ermessensleistung, ein Anspruch besteht nicht.
Gezahlt werden sechs Monate lang das zuletzt bezogene Arbeitslosengeld plus 300 Euro monatlich, danach auf Antrag weitere neun Monate 300 Euro, wenn die Geschäftstätigkeit belegt wird (§ 94 SGB III). Für die Stellungnahme legt man der fachkundigen Stelle in der Regel den vollständigen Businessplan mit Finanzteil und Lebenslauf vor. Wichtig: Den Antrag vor dem Start der Selbstständigkeit stellen, denn Leistungen der Arbeitsförderung gibt es grundsätzlich nur auf Antrag vor dem Ereignis, das sie auslöst (§ 324 Abs. 1 SGB III).
Alternativen und Ergänzungen
- Lean Canvas: Geschäftsmodell auf einer Seite in neun Feldern, etwa Problem, Lösung, Zielgruppe, Alleinstellungsmerkmal, Einnahmen und Kosten; gut für den Start und für schnelle Änderungen.
- Pitch Deck: kurze Präsentation für Investoren, etwa bei Start-ups.
- Einseitiger Businessplan: Kurzfassung für kleine Vorhaben oder als Einstieg.
Für Kredit oder Gründungszuschuss ersetzen diese Formen den ausführlichen Plan in der Regel nicht.
Businessplan-Vorlagen und Hilfen
- Das Existenzgründungsportal des Bundeswirtschaftsministeriums erklärt Text- und Finanzteil und verweist auf Checklisten, Beispielpläne und ein Businessplan-Werkzeug.
- Die Gründerplattform, an der die KfW beteiligt ist, bietet ein kostenloses Werkzeug zum Ausfüllen Schritt für Schritt und Beispielpläne aus verschiedenen Branchen.
- Die Industrie- und Handelskammern und Handwerkskammern bieten Gründungsberatung an, die persönliche Beratung der IHK ist kostenlos.
- Eine Tabellenkalkulation reicht für den Finanzteil, wenn Kapitalbedarf, Rentabilität und Liquidität sauber miteinander verknüpft sind.
Den Plan aktuell halten
Nach dem Start wird der Businessplan zum Steuerungsinstrument. Einmal im Monat die tatsächlichen Umsätze, Kosten und den Kontostand mit dem Plan vergleichen, Abweichungen begründen und die Planung für die folgenden Monate anpassen. Wer neues Kapital braucht, ein Geschäftsfeld dazunimmt oder Personal einstellt, schreibt den Plan fort, statt neu anzufangen.
Wann eine Beratung sinnvoll ist
- Vor dem Bankgespräch: Gründungsberatung von IHK oder Handwerkskammer
- Für den Gründungszuschuss: Stellungnahme einer fachkundigen Stelle zur Tragfähigkeit
- Bei Steuer und Rechtsform: Steuerbüro
Häufige Fragen
Ist ein Businessplan Pflicht?
Nein, gesetzlich vorgeschrieben ist er nicht. Banken und Förderbanken verlangen ihn aber für Kredite, und für den Gründungszuschuss ist die Tragfähigkeit der Gründung mit der Stellungnahme einer fachkundigen Stelle nachzuweisen (§ 93 Abs. 2 SGB III).
Wie erstelle ich einen Businessplan kostenlos?
Mit den kostenlosen Werkzeugen und Vorlagen der Gründerplattform (mit KfW) oder des Existenzgründungsportals des Bundeswirtschaftsministeriums und einer Tabellenkalkulation für den Finanzteil. Die Gründungsberatung der IHK ist ebenfalls kostenlos und liest den fertigen Plan gegen.
Kann ChatGPT einen Businessplan schreiben?
Ein KI-Assistent kann Gliederung und Formulierungen liefern, aber keine belastbaren Zahlen zu Ihrem Markt, Ihren Preisen und Ihren Kosten. Diese müssen aus eigener Recherche kommen, sonst hält der Plan der Prüfung durch Bank oder fachkundige Stelle nicht stand.
Wie lang sollte ein Businessplan sein?
Eine feste Länge gibt es nicht. Für kleine Gründungen genügt meist ein kompakter Textteil mit vollständigem Finanzteil. Wichtiger als die Länge sind nachvollziehbare Zahlen und begründete Annahmen.
Wie lange braucht man für einen Businessplan?
Das hängt vor allem von der Recherche ab. Kundengespräche, Angebote für Ausstattung und Mieten und die Abstimmung mit Bank oder Beratung brauchen Zeit; planen Sie eher Wochen als Tage ein und beginnen Sie früh genug vor dem Bankgespräch oder dem Antrag auf Gründungszuschuss.
Für wie viele Jahre plant man?
Üblich sind drei Geschäftsjahre. Den Liquiditätsplan rechnet man am besten Monat für Monat, mindestens für das erste Jahr.
Was ist der Unterschied zwischen Rentabilitätsvorschau und Liquiditätsplan?
Die Rentabilitätsvorschau zeigt, ob Gewinn entsteht. Der Liquiditätsplan zeigt, ob zu jedem Zeitpunkt genug Geld auf dem Konto ist. Kredite, Tilgungen und Privatentnahmen stehen nur im Liquiditätsplan.
Wer prüft die Tragfähigkeit für den Gründungszuschuss?
Eine fachkundige Stelle, insbesondere Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern, berufsständische Kammern, Fachverbände und Kreditinstitute (§ 93 Abs. 2 SGB III).
Quellen
- Behörde Businessplan
- Fachliteratur Rentabilitätsvorschau erstellen
- Gesetz Sozialgesetzbuch Drittes Buch, § 93 Gründungszuschuss
- Gesetz Sozialgesetzbuch Drittes Buch, § 94 Dauer und Höhe der Förderung
- Gesetz Sozialgesetzbuch Drittes Buch, § 324 Antrag vor Leistung
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