Wirtschaftssektoren

Definition

Wirtschaftssektoren teilen eine Volkswirtschaft in drei große Bereiche: den primären Sektor (Land- und Forstwirtschaft, Fischerei), den sekundären Sektor (Industrie, herstellendes Handwerk und Bau) und den tertiären Sektor (Dienstleistungen). In Deutschland arbeiten rund drei Viertel der Erwerbstätigen im tertiären Sektor.

Wirtschaftssektoren (Singular Wirtschaftssektor, auch Wirtschaftsbereiche) fassen gleichartige Branchen zu wenigen großen Gruppen zusammen. Die Dreiteilung geht auf die Drei-Sektoren-Hypothese zurück, die Allan G. B. Fisher, Colin Clark und Jean Fourastié in den 1930er- und 1940er-Jahren entwickelt haben: Mit steigender Produktivität wandern Arbeitskräfte von der Urproduktion über die Industrie zu den Dienstleistungen.

Beispiel: Ein Landwirt baut Weizen an (primärer Sektor), eine Bäckerei backt daraus Brot (sekundärer Sektor), und ein Café verkauft es mit Kaffee an Gäste (tertiärer Sektor). Hat die Bäckerei selbst ein Café, ordnet die Statistik den ganzen Betrieb nach seiner Haupttätigkeit einem Sektor zu, solange das Backen überwiegt also dem sekundären.

Die drei Wirtschaftssektoren im Überblick

Anteil an den Erwerbstätigen im Inland 2025 nach der Erwerbstätigenrechnung des Statistischen Bundesamts (noch nach WZ 2008 gegliedert).
SektorWas dazugehörtAbschnitte WZ 2025Beispiele aus kleinen BetriebenErwerbstätige 2025
Primärer Sektor (Urproduktion)Gewinnung von NaturerzeugnissenALandwirtschaft, Gärtnerei, Forstbetrieb, Fischerei1,2 %
Sekundärer Sektor (Produzierendes Gewerbe)Bergbau, Herstellung von Waren, Energie- und Wasserversorgung, Entsorgung, BauB bis FBäckerei, Tischlerei, Metallbau, Elektroinstallation22,9 %
Tertiärer Sektor (Dienstleistungen)Handel, Verkehr, Gastgewerbe, IT, Finanzen, Beratung, Gesundheit, Bildung, Verwaltung, persönliche DienstleistungenG bis VEinzelhandel, Café, Kurierdienst, Steuerbüro, Friseursalon, Kfz-Werkstatt75,9 %

Der Bergbau ist ein Sonderfall: In der Theorie zählt die Rohstoffgewinnung oft zum primären Sektor, die amtliche Statistik rechnet Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden aber zum Produzierenden Gewerbe.

Handwerk: sekundärer oder tertiärer Sektor?

Das Handwerk ist kein eigener Sektor. Maßgeblich ist, ob ein Betrieb vor allem herstellt oder baut oder ob er eine Dienstleistung erbringt:

HandwerksbetriebWirtschaftszweig WZ 2025Sektor
Bäckerei10.71 Herstellung von Backwaren, ohne Dauerbackwaren (C)sekundär
Tischlerei, die Möbel baut31.0 Herstellung von Möbeln (C)sekundär
Elektroinstallateur43.21 Elektroinstallation (F)sekundär
Kfz-Werkstatt95.3 Reparatur und Instandhaltung von Kraftwagen und Krafträdern (T)tertiär
Friseursalon96.2 Frisör- und Kosmetiksalons, Day Spas u. Ä. (T)tertiär

Wie sich die Sektoren in Deutschland verschoben haben

Der Wandel, den die Drei-Sektoren-Hypothese beschreibt, lässt sich an den Erwerbstätigen ablesen:

Anteil an den Erwerbstätigen im Inland. Bis 1990 früheres Bundesgebiet, 1955 ohne Berlin und Saarland. Quelle: Statistisches Bundesamt, Stand 30.09.2026.
JahrPrimärSekundärTertiär
195518,5 %47,1 %34,4 %
19708,4 %46,5 %45,1 %
19913,0 %35,6 %61,3 %
20251,2 %22,9 %75,9 %

Bei der Wertschöpfung ist das Bild ähnlich: 2025 erwirtschafteten die Dienstleistungsbereiche rund 71,2 Prozent der Bruttowertschöpfung, das Produzierende Gewerbe einschließlich Bau rund 27,9 Prozent und Land- und Forstwirtschaft, Fischerei 0,9 Prozent. Die Industrie hat in Deutschland trotzdem mehr Gewicht als in vielen anderen Ländern; welche Industriezweige vorn liegen, steht unter Branchen.

Quartärer Sektor und andere Einteilungen

Manche Autoren trennen vom Dienstleistungssektor einen quartären Sektor ab, den Informationssektor mit IT, Forschung, Beratung und Medien; vereinzelt ist auch von einem quintären Sektor die Rede. Diese Erweiterungen sind nicht einheitlich abgegrenzt und kommen in der amtlichen Statistik nicht vor.

In den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen bedeutet „Sektor“ außerdem etwas anderes. Dort heißen die Gruppen der Wirtschaftseinheiten Sektoren: nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften, finanzielle Kapitalgesellschaften, Staat, private Haushalte und private Organisationen ohne Erwerbszweck. Einzelunternehmer zählen dort zu den privaten Haushalten.

Was heißt das für meinen Betrieb?

Für Anmeldung, Kammer und Erlaubnisse spielt der Sektor keine Rolle; dort zählen die konkrete Tätigkeit und der Wirtschaftszweig. Wichtig wird die Grenze zum Produzierenden Gewerbe an einer Stelle: Das Stromsteuergesetz knüpft Entlastungen an „Unternehmen des Produzierenden Gewerbes“ und meint damit die Abschnitte C bis F der älteren WZ 2003 (§ 2 Nr. 3 StromStG). Ob eine Bäckerei oder Tischlerei darunter fällt, klärt das Steuerbüro mit dem Hauptzollamt.

Für die Planung hilft der Blick auf den Strukturwandel: Viele Herstellerbetriebe verdienen heute einen wachsenden Teil mit Dienstleistungen rund um ihr Produkt, etwa Wartung, Montage oder Schulung (Servitization).

Häufige Fragen

Was sind die drei Wirtschaftssektoren?

Der primäre Sektor (Land- und Forstwirtschaft, Fischerei), der sekundäre Sektor (Bergbau, Herstellung von Waren, Energie, Wasser, Bau) und der tertiäre Sektor (alle Dienstleistungen von Handel bis Verwaltung).

In welchem Wirtschaftssektor arbeiten die meisten Menschen in Deutschland?

Im tertiären Sektor. 2025 arbeiteten dort 75,9 Prozent der Erwerbstätigen, im sekundären Sektor 22,9 Prozent und im primären Sektor 1,2 Prozent.

Welche Berufe zählen zum sekundären Sektor?

Berufe, in denen Waren hergestellt oder Bauwerke errichtet werden, etwa Bäcker, Tischler, Metallbauer, Industriemechaniker, Elektroinstallateur, Maurer oder Dachdecker. Entscheidend ist der Betrieb: Eine Elektrikerin in einer Bank arbeitet statistisch im tertiären Sektor.

Was gehört zum tertiären Sektor?

Alle Dienstleistungen: Handel, Verkehr und Logistik, Gastgewerbe, Information und Kommunikation, Finanzen und Versicherungen, Grundstücks- und Wohnungswesen, Beratung, Gesundheit, Bildung, öffentliche Verwaltung und persönliche Dienstleistungen wie Friseur oder Reparatur.

Was ist der quartäre Sektor?

Eine Erweiterung der Dreiteilung: Er umfasst informations- und wissensbasierte Dienstleistungen wie IT, Forschung, Beratung und Medien. Er ist nicht einheitlich abgegrenzt und wird in der amtlichen Statistik nicht ausgewiesen.

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. Statistik Erwerbstätige im Inland nach WirtschaftssektorenErwerbstätigenrechnung (VGR), Jahre 1955 bis 2025 · Statistisches Bundesamt · abgerufen 26.10.2026
  2. Statistik Inlandsproduktsberechnung, Vierteljahresergebnisse, 2. Vierteljahr 2026Fachserie 18 Reihe 1.2, Tabellen 2.1 und 2.5 · Statistisches Bundesamt · Stand 25.8.2026
  3. Statistik Klassifikation der Wirtschaftszweige, Ausgabe 2025 (WZ 2025)Abschnitte A bis V · Statistisches Bundesamt · abgerufen 26.10.2026
  4. Gesetz Stromsteuergesetz, § 2 Begriffsbestimmungen§ 2 Nr. 2a und 3 StromStG · Bundesministerium der Justiz · abgerufen 26.10.2026
  5. Gesetz Verordnung (EU) Nr. 549/2013 (ESVG 2010)Anhang A, Kapitel 2 (Sektoren) · Europäisches Parlament und Rat · Stand 26.6.2013
  6. Fachliteratur Das Lexikon der Wirtschaft: WirtschaftssektorStichwort Wirtschaftssektor · Bundeszentrale für politische Bildung (Duden Wirtschaft von A bis Z, 6. Aufl. 2016) · abgerufen 26.10.2026
  7. Fachliteratur Le grand espoir du XXe siècleDrei-Sektoren-Hypothese · Jean Fourastié, Presses Universitaires de France, Paris 1949

Aktualisiert am 26.10.2026 · Geprüft am 26.10.2026 · Redaktion arbeitdigital

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