Kurz beantwortet
Im chinesischen Geschäftsleben zählen Beziehungen (Guanxi), das Wahren des Gesichts (Mianzi) und Respekt vor Rang und Alter. Wer pünktlich kommt, Visitenkarten mit beiden Händen überreicht und annimmt, nicht offen widerspricht und sich Zeit für Essen und Gespräche nimmt, macht vieles richtig. Uhren, Messer und Schuhe sind keine guten Geschenke, die Zahl 4 gilt als Unglücks-, die 8 als Glückszahl.
China Knigge: warum Umgangsformen so wichtig sind
Andere Länder, andere Sitten: Das trifft auf das Reich der Mitte besonders zu. China war 2025 wieder der wichtigste Handelspartner Deutschlands, und viele deutsche Unternehmen, auch kleine, kaufen dort ein oder verkaufen dorthin. Für die Zusammenarbeit ist gutes Benehmen die Grundlage. Geschäfte werden mit Menschen gemacht, denen man vertraut; Vertrauen entsteht über persönliche Beziehungen, die über Jahre gepflegt werden.
Zwei Begriffe helfen beim Verständnis: Guanxi beschreibt das Netz persönlicher Beziehungen und gegenseitiger Verpflichtungen, Mianzi das „Gesicht“, also Ansehen und Würde. Wer jemanden vor anderen kritisiert, bloßstellt oder offen widerspricht, lässt ihn das Gesicht verlieren und schadet der Beziehung.
Chinesische Umgangsformen: Dos und Don’ts
Dos
- Freundlich, positiv und ruhig auftreten, sich eher bescheiden geben
- Gespräche gut vorbereiten, Inhalte mit Grafiken und Handouts veranschaulichen, idealerweise auch auf Chinesisch
- Einen guten Dolmetscher einplanen, auch wenn das Gegenüber Englisch spricht
- Den Verhandlungen Zeit geben und Geduld zeigen
- Smalltalk über unverfängliche Themen: Reise, Essen, Kultur, Sport
- Visitenkarten mit beiden Händen entgegennehmen, lesen und sichtbar vor sich auf den Tisch legen
- Die Gastfreundschaft loben und sich für Einladungen bedanken
- Beim Herbeiwinken die Handfläche nach unten richten
Don’ts
- Ein direktes, hartes „Nein“ oder offene Kritik vor anderen; besser umschreiben und Alternativen anbieten
- Wildes Gestikulieren und lautes Auftreten
- Mit dem Finger auf Personen zeigen
- Visitenkarten ungelesen einstecken, beschreiben oder in die Hosentasche stecken
- Politische Themen wie Taiwan, Tibet oder Menschenrechte von sich aus ansprechen
- Sich überheblich geben oder die eigene Firma überbetonen
- Unpünktlichkeit bei Terminen
Begrüßung und Visitenkarten
Zur Begrüßung gibt man sich die Hand, oft weniger fest als in Deutschland, und deutet ein leichtes Nicken oder eine kleine Verbeugung an. Ein längerer, sehr direkter Blickkontakt kann unangenehm wirken; den Blick zwischendurch leicht zu senken, ist höflich. Begrüßt wird in einer festen Reihenfolge:
- ranghohe Personen zuerst
- Ältere vor Jüngeren
- dann die übrigen Teilnehmer
Wer den höchsten Rang hat, lässt sich oft daran erkennen, wer zuerst den Raum betritt oder wer in der Mitte sitzt. Auf chinesischen Visitenkarten steht der Familienname zuerst; Herr Wang Wei wird also mit „Herr Wang“ angesprochen. Die eigene Karte sollte auf einer Seite Chinesisch sein und wird mit beiden Händen, die Schrift zum Empfänger gedreht, überreicht. Titel und Funktion gehören auf die Karte, denn sie zeigen den Rang.
Ein paar Wörter Chinesisch kommen gut an: 你好 / 您好 (nǐ hǎo / nín hǎo, Guten Tag, höflich), 谢谢 (xièxie, danke), 请 (qǐng, bitte). Zu Terminen kommt man pünktlich; Verspätungen von mehr als wenigen Minuten gelten als respektlos.
Kleidung
Für den ersten Eindruck zählt auch die äußere Erscheinung. Auch im heißen Sommer kleidet man sich zu Verhandlungen und Geschäftsessen förmlich: Männer in dunklem Anzug mit Hemd und Krawatte, Frauen im dezenten Kostüm oder Hosenanzug, der nicht zu viel Haut zeigt. Auffällige oder durchsichtige Stoffe sind unpassend. Ganz in Weiß sollte man nicht erscheinen, denn Weiß ist in China die Farbe der Trauer. Ordentliche Schuhe gehören dazu, Sandalen sind bei Geschäftsterminen unpassend.
Gastgeschenke
- Gut geeignet: Spezialitäten aus Deutschland oder der eigenen Region, hochwertige Süßigkeiten, guter Wein, Bücher über die eigene Stadt, ein schönes Werbegeschenk der Firma.
- Ungeeignet: Uhren, weil „eine Uhr schenken“ auf Chinesisch ähnlich klingt wie „zum Sterben begleiten“; Messer und Scheren, weil sie für Trennung stehen; Schuhe, die mit Weggehen in Verbindung gebracht werden.
- Zahlen: Die 4 klingt ähnlich wie das Wort für Tod und gilt als Unglückszahl; die 8 gilt als Glückszahl. Nichts in Vierersets verschenken.
- Verpackung: Rot und Gold gelten als Farben des Glücks; weißes oder schwarzes Papier ist mit Trauer verbunden und sollte vermieden werden.
- Übergabe: mit beiden Händen. Geschenke werden oft nicht sofort geöffnet, und es ist üblich, ein Geschenk erst nach mehrmaligem Anbieten anzunehmen.
- Wert: angemessen, nicht überteuert; teure Geschenke an Mitarbeiter staatlicher Stellen können als Bestechung gelten.
Geschäftsessen
Beim Geschäftsessen gibt der Gastgeber den Ton an. Er bestellt meist für alle, oft viele Gerichte, die in der Mitte auf einer Drehplatte stehen. Als Gast probiert man aus Höflichkeit von jedem Gericht. Ein kleiner Rest auf dem Teller zeigt, dass man satt ist; ein leerer Teller wird wieder gefüllt. Schlürfen gilt nicht als unhöflich. Ein Versuch mit Stäbchen wird geschätzt; die Stäbchen aber nie senkrecht in den Reis stecken, denn das erinnert an Räucherstäbchen bei Beerdigungen. Naseputzen am Tisch ist unpassend; dafür geht man besser kurz hinaus.
Getoastet wird häufig, oft mit dem Ruf „Ganbei“ (trocken trinken). Wer keinen Alkohol trinkt, sagt das freundlich vorab und stößt mit Tee oder Saft an. Beim Anstoßen hält man das eigene Glas etwas tiefer als das ranghoher Personen. Die Rechnung übernimmt, wer eingeladen hat; eine Gegeneinladung zu einem späteren Zeitpunkt ist eine gute Geste.
Verhandeln mit chinesischen Partnern
- Mehr Zeit einplanen: Oft gibt es mehrere Runden, Entscheidungen fallen intern und höher in der Hierarchie.
- Ein Teamleiter mit entsprechendem Titel signalisiert Wertschätzung.
- Preise mit Verhandlungsspielraum ansetzen; Nachlass wird oft erwartet.
- Ein „Ja“ heißt manchmal nur „Ich habe verstanden“. Wichtige Punkte zusammenfassen und schriftlich bestätigen lassen.
- Verträge zweisprachig aufsetzen und klären, welche Fassung gilt; Recht und Gerichtsstand festlegen. Mehr unter Verhandlungen führen.
Praktisches für die Geschäftsreise
- Einreise: Deutsche Staatsangehörige können bis 31. Dezember 2026 für bis zu 30 Tage ohne Visum einreisen, auch für Geschäftsreisen, unter bestimmten Bedingungen. Für eine Erwerbstätigkeit vor Ort ist oft ein Arbeitsvisum nötig, auch bei kurzen Aufenthalten. Vor jeder Reise die aktuellen Hinweise des Auswärtigen Amts prüfen.
- Anmeldung: Ausländer müssen sich innerhalb von 24 Stunden nach Einreise bei der Polizei registrieren; Hotels übernehmen das.
- Internet: Viele westliche Dienste wie Google, WhatsApp oder X sind gesperrt. VPN-Dienste zur Umgehung sind verboten; das Auswärtige Amt rät davon ab.
- Daten und Geräte: Daten auf Geräten können eingesehen, kopiert oder Geräte manipuliert werden, etwa wenn sie im Hotelzimmer liegen. Am besten mit einem Reisegerät ohne vertrauliche Daten reisen und Geräte nie unbeaufsichtigt lassen.
- Bezahlen: Die meisten Zahlungen laufen über Apps wie Alipay oder Weixin Pay. Internationale Kreditkarten werden vielerorts nicht angenommen, Girocards kaum. Etwas Bargeld in Renminbi mitnehmen.
- Reisekosten: Für Verpflegung und Übernachtung im Ausland gelten Länderpauschalen, siehe Dienstreise.
Beziehungen pflegen
Wer einen guten Eindruck hinterlassen möchte, bereitet sich vor der Reise auf die Umgangsformen vor. Ist die Beziehung zum chinesischen Geschäftspartner aufgebaut, braucht sie Pflege: regelmäßiger Kontakt, auch ohne konkreten Anlass, Grüße zum chinesischen Neujahrsfest, das nach dem Mondkalender zwischen Ende Januar und Mitte Februar liegt, und Gegenbesuche. Rund um das Neujahrsfest ruhen Produktion und Geschäfte oft für mehrere Wochen, was bei Lieferterminen einzuplanen ist.
Häufige Fragen
Wie überreicht man in China eine Visitenkarte?
Mit beiden Händen, die Schrift zum Empfänger gedreht, am besten mit einer chinesischen Rückseite. Empfangene Karten liest man und legt sie sichtbar auf den Tisch.
Was sollte man in China nicht verschenken?
Uhren, Messer, Scheren und Schuhe sowie Dinge in Vierersets. Auch weißes oder schwarzes Geschenkpapier ist ungeeignet.
Brauche ich für eine Geschäftsreise nach China ein Visum?
Bis 31. Dezember 2026 können Deutsche unter bestimmten Bedingungen bis zu 30 Tage ohne Visum einreisen, auch geschäftlich. Für Erwerbstätigkeit vor Ort ist oft ein Arbeitsvisum nötig. Maßgeblich sind die aktuellen Hinweise des Auswärtigen Amts.
Wie spricht man Chinesen richtig an?
Mit Familienname und Titel oder Herr/Frau. Der Familienname steht vorn: Bei Wang Wei ist Wang der Familienname.
Quellen
- Behörde China: Reise- und Sicherheitshinweise
- Statistik China im Jahr 2025 wieder wichtigster Handelspartner Deutschlands (Pressemitteilung Nr. 056)
Mehr dazu
- Business-Knigge Umgangsformen in anderen Ländern
- Griechenland Knigge: Was muss man in Griechenland beachten? Geschäftsreise nach Griechenland
- Verhandlungen führen Gut vorbereitet verhandeln