Definition
Marketing ist die Ausrichtung eines Unternehmens auf die Bedürfnisse seiner Kundinnen, Kunden und Märkte, um Angebote zu entwickeln, bekannt zu machen, zu verkaufen und Kundenbeziehungen dauerhaft zu sichern.
Marketing (deutsch auch Absatzwirtschaft) ist zweierlei: eine Denkhaltung, die alle Entscheidungen im Unternehmen am Markt ausrichtet, und ein Aufgabenbereich, der sich um Marktforschung, Angebot, Preis, Vertrieb, Werbung und Kundenbindung kümmert. Die größte Herausforderung liegt darin, Veränderungen bei Kunden und Wettbewerbern früh zu erkennen und rechtzeitig darauf zu reagieren.
Beispiel: Eine Bäckerei stellt anhand ihrer Kassendaten fest, dass mittags viele Handwerker aus der Nachbarschaft kaufen, aber selten mehr als ein Brötchen. Sie entwickelt einen belegten Mittagssnack mit Getränk zum Festpreis, stellt einen Aufsteller vor die Tür und zeigt das Angebot auf Instagram. Nach vier Wochen vergleicht sie den Mittagsumsatz mit dem Vormonat. Auswertung, Angebot, Preis, Werbung und Erfolgskontrolle: Das ist Marketing im Kleinen.
Marketing-Definition
Der US-Fachverband American Marketing Association (AMA) beschreibt Marketing als die Tätigkeit, die Einrichtungen und die Prozesse, mit denen Angebote geschaffen, kommuniziert, geliefert und ausgetauscht werden, die für Kundinnen und Kunden, Auftraggeber, Partner und die Gesellschaft insgesamt Wert haben. Im deutschsprachigen Raum wird Marketing meist als marktorientierte Führung des ganzen Unternehmens verstanden, nicht nur als Werbung.
Im engeren Sinn bezeichnet Marketing auch den Unternehmensbereich, der für die Vermarktung von Produkten und Dienstleistungen zuständig ist.
Geschichte des Marketings
Im 19. und frühen 20. Jahrhundert stand die Produktion im Mittelpunkt: Was hergestellt wurde, ließ sich in vielen Märkten auch verkaufen. Mit wachsendem Angebot und gesättigten Märkten rückten die Wünsche der Kunden in den Vordergrund, und die Marktforschung wurde zu einem wichtigen Werkzeug. Den Begriff Marketing-Mix prägte der US-Ökonom Neil H. Borden; die bis heute verbreitete Einteilung in vier P stellte E. Jerome McCarthy 1960 vor. Mit Internet und Digitalisierung kamen Online- und Social-Media-Marketing hinzu, die Werbung messbarer und gezielter machen.
Marketing-Mix: die vier P
Der Marketing-Mix fasst die Instrumente zusammen, mit denen ein Unternehmen seinen Markt bearbeitet:
- Product (Produktpolitik): was angeboten wird, also Produkt oder Dienstleistung mit Eigenschaften, Qualität, Sortiment, Verpackung und Service.
- Price (Preispolitik): Preise, Rabatte, Zahlungsbedingungen und Finanzierung. Ein Preis muss die Kosten decken und für Kunden im Vergleich zum Wettbewerb annehmbar sein.
- Place (Distributionspolitik): über welche Wege das Angebot zum Kunden kommt, etwa Laden, Onlineshop, Großhandel oder Außendienst, einschließlich Logistik.
- Promotion (Kommunikationspolitik): wie das Angebot bekannt gemacht wird, etwa durch Werbung, Verkaufsförderung, Öffentlichkeitsarbeit und persönlichen Verkauf.
Für Dienstleistungen wird der Mix häufig um drei weitere P ergänzt (Booms und Bitner, 1981): People (Personal), Process (Abläufe) und Physical Evidence (sichtbares Umfeld, etwa Laden oder Fahrzeuge).
Die vier C aus Kundensicht
Robert F. Lauterborn stellte 1990 den vier P vier C gegenüber, die dieselben Fragen aus Sicht der Kunden stellen:
- Customer needs and wants statt Product: Welches Bedürfnis löst das Angebot?
- Cost statt Price: Was kostet es den Kunden insgesamt, einschließlich Zeit und Aufwand?
- Convenience statt Place: Wie bequem kommt der Kunde an das Angebot?
- Communication statt Promotion: Dialog mit dem Kunden statt einseitiger Werbung.
Welche Arten von Marketing gibt es?
Marketing wird meist nach den Kanälen und Mitteln eingeteilt, über die ein Unternehmen seine Zielgruppe erreicht. Die Grenzen sind fließend; die Tabelle zeigt die gängigen Arten mit einem Beispiel aus dem kleinen Betrieb.
| Art | Was dazugehört | Beispiel im Betrieb |
|---|---|---|
| Online-Marketing | Website, Suchmaschinenoptimierung (SEO), Suchmaschinenwerbung, Social Media, E-Mail | Ein Malerbetrieb pflegt sein Google-Unternehmensprofil mit Fotos fertiger Arbeiten und bittet zufriedene Kunden um eine Bewertung. |
| Klassisches Marketing | Anzeigen, Plakate, Radio, Flyer, Werbung vor Ort | Eine Bäckerei verteilt zur Eröffnung einer Filiale Flyer mit Gutschein im Neubaugebiet. |
| Content-Marketing | Nützliche Inhalte wie Ratgeber, Videos oder Anleitungen, die Vertrauen aufbauen | Ein Fahrradladen zeigt in kurzen Videos, wie man Kette und Bremsen pflegt. |
| Direktmarketing | Persönliche Ansprache per Brief, E-Mail oder Telefon | Ein Heizungsbauer schreibt seine Kunden vor der Heizsaison wegen der Wartung an; für E-Mails gilt die Einwilligung oder die Ausnahme für Bestandskunden. |
| Event-Marketing | Tag der offenen Tür, Vorführungen, Auftritt auf einer Messe | Eine Schreinerei lädt an einem Samstag zum Werkstatttag ein. |
| Influencer-Marketing | Werbung über Personen mit Reichweite in sozialen Medien | Ein Café lädt eine Food-Bloggerin aus der Stadt ein; ihr Beitrag ist als Werbung gekennzeichnet. |
| Affiliate-Marketing | Partner werben gegen Provision | Ein Onlineshop für Arbeitskleidung zahlt Fachblogs eine Provision je vermitteltem Verkauf. |
| Guerilla-Marketing | Ungewöhnliche, überraschende Aktionen mit kleinem Budget | Ein Schlüsseldienst verteilt Schlüsselanhänger mit Notrufnummer auf dem Wochenmarkt. |
Jede Form hat Vor- und Nachteile und wirkt je nach Zielgruppe und Angebot unterschiedlich. Erfolgreiche Unternehmen kombinieren mehrere Formen und stimmen die Botschaften aufeinander ab.
Strategisches und operatives Marketing
- Strategisches Marketing legt langfristig fest, welche Märkte und Zielgruppen ein Unternehmen bedienen will, wie es sich vom Wettbewerb abhebt (Positionierung) und welches Budget dafür zur Verfügung steht.
- Operatives Marketing setzt die Strategie im Alltag um: Maßnahmen auswählen und planen, Kampagnen durchführen, Ergebnisse messen und nachsteuern.
Wichtige Begriffe der Marketingplanung
- Marketingkonzept: der Gesamtplan aus Zielen, Strategie und Instrumenten, mit dem ein Unternehmen seine Zielgruppe erreichen will.
- Marketingplan: das schriftliche Dokument dazu, mit Maßnahmen, Zuständigkeiten, Zeitplan und Budget.
- Marketingprozess: der wiederkehrende Ablauf aus Analyse, Planung, Umsetzung und Kontrolle.
- Marketinginstrument: ein einzelnes Werkzeug, mit dem Marketingziele verfolgt werden, meist einem der vier P zugeordnet.
- Marketingkanal: der Weg, über den ein Unternehmen seine Zielgruppe erreicht oder verkauft, etwa Website, Newsletter, Laden oder Messe.
Grundlagen für erfolgreiches Marketing
- Zielgruppe kennen: Wer kauft, mit welchen Bedürfnissen, wo und wie informiert sich diese Gruppe?
- Alleinstellungsmerkmal: Was unterscheidet das eigene Angebot vom Wettbewerb (Unique Selling Proposition, USP)?
- Marktforschung: Kunden, Märkte und Wettbewerber regelmäßig beobachten, auch mit einfachen Mitteln wie Kundengesprächen und Auswertungen der Kasse.
- Budget: realistisch planen, was für Marketing ausgegeben werden kann.
- Einheitlicher Auftritt: Botschaft, Gestaltung und Ton über alle Kanäle abstimmen.
- Messen und anpassen: Ergebnisse laufend prüfen und Maßnahmen ändern, die nicht wirken.
Marketingziele festlegen und verfolgen
- Ziele festlegen, die klar, messbar und erreichbar sind, etwa mehr Bekanntheit, mehr Neukunden oder mehr Umsatz mit Bestandskunden.
- Kennzahlen bestimmen, an denen der Erfolg gemessen wird, etwa Anfragen, Besuche auf der Website oder Umsatz je Kunde.
- Ziele nach Bedeutung und verfügbaren Mitteln ordnen.
- Strategie und passende Kanäle für Zielgruppe und Branche wählen.
- Maßnahmen umsetzen und die Kennzahlen verfolgen.
- Regelmäßig prüfen und nachsteuern.
Was heißt das für meinen Betrieb?
Im kleinen Betrieb ist Marketing selten eine Abteilung, sondern eine feste Gewohnheit: wissen, wer kauft und warum, ein klares Angebot mit Preis, zwei oder drei Kanäle, die zur Zielgruppe passen, und ein regelmäßiger Blick auf Anfragen und Umsatz. Ein Plan auf einer Seite genügt oft. Wie er entsteht und welches Budget üblich ist, steht unter Marketing im Bereich Wachsen; wie Kunden den Betrieb im Netz finden, unter Online gefunden werden, und wie man sie hält, unter Kundenbindung.
Rechtliche Grenzen der Werbung
Marketing muss sich an das Wettbewerbsrecht halten. Zwei Regeln betreffen gerade kleine Unternehmen häufig: Werbe-E-Mails und Faxe sind ohne vorherige ausdrückliche Einwilligung des Empfängers unzulässig, mit einer engen Ausnahme für eigene Bestandskunden (§ 7 Abs. 2 Nr. 2 und Abs. 3 UWG). Werbeanrufe bei Verbrauchern brauchen ebenfalls deren vorherige ausdrückliche Einwilligung (§ 7 Abs. 2 Nr. 1 UWG). Und wer für ein fremdes Unternehmen gegen Entgelt wirbt, etwa in sozialen Medien, muss den kommerziellen Zweck kenntlich machen (§ 5a Abs. 4 UWG). Für Kundendaten gilt außerdem die DSGVO.
Entwicklungen im Marketing
- Personalisierung: Angebote und Botschaften werden auf einzelne Kunden oder kleine Gruppen zugeschnitten.
- Omnichannel: Kunden wechseln zwischen Laden, Website und App und erwarten überall dasselbe Angebot.
- Künstliche Intelligenz: hilft beim Auswerten von Daten, beim Erstellen von Texten und Bildern und beim Automatisieren wiederkehrender Aufgaben.
- Nachhaltigkeit: Kunden achten stärker auf Umwelt- und Sozialstandards; Aussagen dazu müssen belegbar sein.
Marketing als Unternehmensfunktion
Als Unternehmensbereich arbeitet Marketing eng mit Produktentwicklung, Vertrieb, Kundenservice und Finanzen zusammen. Zu seinen Aufgaben gehören Markt- und Kundenforschung, die Mitwirkung an Produkt und Preis, Werbung und Verkaufsförderung, die Gestaltung der Vertriebswege und die Kundenbindung. In größeren Unternehmen leitet ein Marketingmanager diese Aufgaben: Er entwickelt Strategien und Pläne, wählt Instrumente und Kanäle aus und misst den Erfolg. In kleinen Betrieben liegt Marketing meist beim Inhaber selbst.
Marktbegriffe
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Absatzmarkt | Alle möglichen Kunden, die ein Unternehmen mit seinen Produkten oder Dienstleistungen erreichen will. |
| Marktvolumen | Tatsächlich verkaufte Menge oder Umsatz aller Anbieter in einem Markt und Zeitraum. |
| Marktpotenzial | Höchstmögliche Menge oder Umsatz, die ein Markt aufnehmen könnte. |
| Marktanteil | Anteil eines Unternehmens am Umsatz oder Absatz eines Marktes. |
| Marktsättigung | Zustand, in dem das Marktvolumen nahe am Marktpotenzial liegt und kaum noch wächst. |
| Marktforschung | Systematisches Sammeln und Auswerten von Informationen über Kunden, Märkte und Wettbewerber. |
| Marktsegmentierung | Aufteilung eines Marktes in Gruppen mit ähnlichen Bedürfnissen, Merkmalen oder Verhaltensweisen. |
Häufige Fragen
Was ist das Wichtigste im Marketing?
Die Bedürfnisse der Zielgruppe zu verstehen und das Angebot danach auszurichten. Alle Instrumente vom Preis bis zur Werbung bauen darauf auf.
Was ist das Ziel von Marketing?
Kunden zu gewinnen und zu halten, indem das Angebot zu ihren Bedürfnissen passt und sie davon erfahren. Messbar wird das an Zielen wie mehr Anfragen, mehr Neukunden, mehr Umsatz je Kunde oder größerer Bekanntheit in der Zielgruppe.
Was unterscheidet Online-Marketing vom klassischen Marketing?
Online-Marketing nutzt digitale Kanäle wie Website, Suchmaschinen, soziale Medien und E-Mail, klassisches Marketing Medien wie Zeitung, Plakat, Radio und Fernsehen. Online lassen sich Zielgruppen genauer ansprechen und Ergebnisse leichter messen; klassische Werbung erreicht dagegen auch Menschen, die online wenig unterwegs sind. Die meisten Unternehmen kombinieren beides.
Was versteht man unter Performance-Marketing?
Marketing, das auf direkt messbare Ergebnisse wie Klicks, Anfragen oder Käufe ausgerichtet ist, etwa über Suchmaschinenwerbung, Anzeigen in sozialen Medien oder Affiliate-Programme. Kampagnen werden laufend anhand von Kennzahlen wie Kosten je Kauf oder Rendite der Werbeausgaben gesteuert.
Was versteht man unter Affiliate-Marketing?
Ein Unternehmen (Merchant) lässt Partner (Affiliates) auf deren Websites oder Kanälen für sein Angebot werben. Über einen Link mit Kennung wird jeder Verkauf dem Partner zugeordnet, der dafür eine Provision erhält. Die Partner müssen ihre Werbung als solche kenntlich machen.
Braucht ein kleiner Betrieb einen Marketingplan?
Ein einfacher Plan auf ein bis zwei Seiten reicht oft: Zielgruppe, zwei oder drei Ziele, die wichtigsten Maßnahmen mit Zeitpunkt und Budget und die Kennzahlen, an denen der Erfolg gemessen wird.
Verwandte Begriffe
- CRM: Customer-Relationship-Management Kundenbeziehungen systematisch pflegen
- E-Commerce Handel und Geschäfte über das Internet
- Messe Branchentreffpunkt für Aussteller und Fachbesucher
- Servitization (Servitisierung) Vom Produkt zur Dienstleistung
Quellen
- Fachliteratur Definitions of Marketing
- Fachliteratur Basic Marketing: A Managerial Approach
- Fachliteratur The Concept of the Marketing Mix
- Fachliteratur Marketing Strategies and Organization Structures for Service Firms
- Fachliteratur New Marketing Litany: Four P's Passé; C-Words Take Over
- Gesetz Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, § 7 Unzumutbare Belästigungen
- Gesetz Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, § 5a Irreführung durch Unterlassen