Definition
Das Pareto-Prinzip (80/20-Regel) ist die Faustregel, dass ein kleiner Teil der Ursachen (etwa 20 %) einen großen Teil der Wirkungen (etwa 80 %) hervorruft.
Das Pareto-Prinzip, auch 80/20-Regel, besagt: Ein kleiner Teil von Kunden, Produkten, Fehlerursachen oder Aufgaben ist für einen großen Teil von Umsatz, Ausschuss oder Ergebnis verantwortlich. Die Zahlen 80 und 20 sind keine feste Gesetzmäßigkeit, sondern ein grober Richtwert; in der Praxis kann das Verhältnis auch 70 zu 30 oder 90 zu 10 sein.
Beispiel: Ein Großhändler für Malerbedarf führt 150 Artikel. Eine Auswertung zeigt, dass 30 davon rund 80 % des Umsatzes bringen. Diese Artikel hält er immer vorrätig und verhandelt bei ihnen die Einkaufspreise am härtesten; selten verkaufte Artikel bestellt er nur noch auf Anfrage.
Herkunft
Benannt ist das Prinzip nach dem italienischen Ökonomen und Soziologen Vilfredo Federico Pareto (1848–1923). Er zeigte Ende des 19. Jahrhunderts, dass Einkommen und Vermögen sehr ungleich verteilt sind: Ein kleiner Teil der Bevölkerung verfügt über einen großen Teil. Der US-Qualitätsexperte Joseph M. Juran stieß 1941 auf Paretos Arbeiten und übertrug die Beobachtung auf die Qualitätssicherung: Wenige Ursachen, die „vital few“, verursachen den Großteil der Fehler. Unter dem Namen Pareto-Prinzip machte er die Regel bekannt, unter anderem in seinem „Quality Control Handbook“ von 1951.
Anwendungen und Beispiele
- Zeitmanagement: Wenige Aufgaben bringen den größten Teil des Ergebnisses. Wer sie zuerst erledigt, statt alles gleich gründlich anzugehen, kommt mit weniger Zeit weiter. Die Regel ergänzt Methoden wie die Eisenhower-Matrix.
- Vertrieb: Ein kleiner Teil der Kunden steht oft für den größten Teil des Umsatzes. Diese Kunden verdienen besondere Aufmerksamkeit; zugleich zeigt die Auswertung, wie abhängig der Betrieb von ihnen ist.
- Sortiment und Lager: Wenige Artikel machen den Großteil von Umsatz oder Lagerwert aus. Darauf baut die ABC-Analyse auf.
- Qualität: Wenige Fehlerursachen verursachen den größten Teil von Ausschuss und Reklamationen.
- Projekte: Ein Großteil des Ergebnisses ist oft mit einem kleinen Teil des Aufwands erreicht; die letzten Prozent kosten am meisten.
Auch außerhalb der Wirtschaft finden sich solche Verteilungen. Ernest O’Boyle und Herman Aguinis zeigten 2012, dass die Leistungen von Forschenden, Künstlern, Sportlern und Politikern nicht normalverteilt sind, sondern einer Potenzverteilung folgen: Wenige Spitzenleister tragen überproportional zum Gesamtergebnis bei.
Pareto-Analyse Schritt für Schritt
Mit der Pareto-Analyse lässt sich prüfen, ob und wo das Prinzip im eigenen Betrieb gilt. Sie wird oft mit einem Ursache-Wirkungs-Diagramm (Ishikawa-Diagramm) kombiniert, das mögliche Ursachen erst sammelt.
- Daten sammeln, etwa Reklamationen eines Jahres mit ihrer Ursache oder Umsätze je Kunde.
- Die Kategorien nach Häufigkeit oder Wert absteigend sortieren.
- Anteil jeder Kategorie und den kumulierten Anteil berechnen.
- Als Säulendiagramm darstellen (Pareto-Diagramm): Kategorien auf der waagerechten Achse, Häufigkeit auf der senkrechten, dazu die Summenlinie.
- Die Kategorien auswählen, die zusammen den Großteil ausmachen, und dort mit Maßnahmen ansetzen.
Beispiel: Reklamationen in einem Elektrobetrieb
Ein Elektroinstallationsbetrieb mit acht Beschäftigten wertet die Reklamationen eines Jahres aus. Er ordnet jede der 120 Beschwerden einer Ursache zu, sortiert absteigend und rechnet die Anteile aus (Beispielzahlen):
| Ursache | Anzahl | Anteil | Summe |
|---|---|---|---|
| Termin nicht eingehalten | 48 | 40,0 % | 40,0 % |
| Material fehlte | 28 | 23,3 % | 63,3 % |
| Rechnung unklar | 18 | 15,0 % | 78,3 % |
| Baustelle nicht sauber | 8 | 6,7 % | 85,0 % |
| Arbeit fehlerhaft | 6 | 5,0 % | 90,0 % |
| Rückruf vergessen | 4 | 3,3 % | 93,3 % |
| Lärm | 4 | 3,3 % | 96,7 % |
| Sonstiges | 4 | 3,3 % | 100,0 % |
| Gesamt | 120 | 100 % |

Drei von acht Ursachen, also gut ein Drittel, stehen für 78 % der Reklamationen. Das ist kein genaues 80 zu 20, zeigt aber, wo sich Arbeit lohnt: ein fester Anruf beim Kunden am Vortag, eine Materialliste je Auftrag und eine Rechnung, die jede Position erklärt. Die vielen kleinen Ursachen bleiben im Blick, kommen aber erst danach.
Pareto-Prinzip, Pareto-Verteilung, ABC-Analyse: der Unterschied
| Begriff | Was es ist | Wofür |
|---|---|---|
| Pareto-Prinzip (80/20-Regel) | Faustregel: wenige Ursachen, großer Teil der Wirkung | Prioritäten setzen, Arbeit dort ansetzen, wo sie am meisten bringt |
| Pareto-Verteilung | statistische Verteilung mit wenigen großen und sehr vielen kleinen Werten; Pareto beschrieb damit die Verteilung von Einkommen | Statistik, etwa für Einkommen, Schadenhöhen oder Dateigrößen |
| Pareto-Diagramm | Säulendiagramm, absteigend sortiert, mit Summenlinie | Ergebnis einer Pareto-Analyse auf einen Blick zeigen |
| ABC-Analyse | teilt Kunden, Artikel oder Aufgaben nach ihrem Anteil in die Klassen A, B und C | Lager, Einkauf, Kunden und Aufgaben einteilen |
| Pareto-Optimum | Zustand, in dem niemand bessergestellt werden kann, ohne dass ein anderer schlechter gestellt wird | Volkswirtschaftslehre; hat mit der 80/20-Regel nichts zu tun |
Die ABC-Analyse ist die Anwendung des Pareto-Gedankens mit drei Stufen. Im Organisationshandbuch des Bundes verursachen in einem Beispiel 12 % der Aufgaben fast 75 % des Arbeitsaufwands; sie bilden die Klasse A und werden zuerst untersucht.
Grenzen
Das Pareto-Prinzip ist eine Beobachtung, kein Naturgesetz. Ob eine Verteilung tatsächlich so ungleich ist, zeigt nur die Auswertung eigener Daten. Außerdem lassen sich die „unwichtigen“ 80 % nicht immer weglassen: Pflichtaufgaben wie Buchhaltung oder Arbeitssicherheit bringen keinen sichtbaren Ertrag, müssen aber trotzdem erledigt werden.
Typische Fehler
- Schätzen statt zählen: Ohne echte Zahlen bestätigt die Analyse nur, was man ohnehin vermutet.
- Ungeschickte Kategorien: Ist „Sonstiges“ die größte Säule, sind die Kategorien zu grob.
- Nur die Häufigkeit zählen: Eine seltene Ursache kann teurer sein als eine häufige. Dann nach Kosten statt nach Anzahl sortieren.
- 80 zu 20 als Ziel nehmen: Die Zahlen beschreiben eine Beobachtung. Pflichtaufgaben fallen nicht weg, nur weil sie wenig Ertrag bringen.
Was heißt das für meinen Betrieb?
Die Daten für eine Pareto-Analyse liegen in den meisten kleinen Betrieben schon vor: Umsätze je Kunde in der Buchhaltung, Reklamationen im Postfach, Stunden je Auftrag in der Zeiterfassung. Einmal im Jahr ausgewertet zeigt sich, welche Kunden besondere Kundenbindung verdienen und wie abhängig der Betrieb von wenigen Auftraggebern ist. Im Arbeitsalltag hilft die Regel beim Aufgaben priorisieren; die Eisenhower-Matrix ergänzt sie um die Frage, was dringend ist.
Häufige Fragen
Was ist das Pareto-Prinzip einfach erklärt?
Wenige Dinge bewirken das meiste: Rund 20 Prozent der Ursachen, Kunden oder Aufgaben stehen oft für rund 80 Prozent der Wirkung, des Umsatzes oder des Ergebnisses. Die Zahlen sind ein grober Richtwert, keine feste Regel.
Welche Beispiele gibt es für das Pareto-Prinzip im Alltag?
Oft genannt werden: Ein kleiner Teil der Kleidung wird am häufigsten getragen, wenige Kontakte machen die meisten Anrufe aus, wenige Räume verursachen den meisten Putzaufwand. Ob das Verhältnis wirklich so ungleich ist, zeigt nur das Nachzählen.
Was ist eine Pareto-Verteilung?
Eine statistische Verteilung mit wenigen sehr großen und vielen kleinen Werten. Vilfredo Pareto beschrieb damit die Verteilung von Einkommen. Das Pareto-Prinzip ist die vereinfachte Faustregel, die aus solchen Verteilungen abgeleitet wird.
Wie erstellt man ein Pareto-Diagramm in Excel?
Ursachen und Anzahl in zwei Spalten eintragen, markieren und unter „Einfügen“ beim Statistikdiagramm den Typ „Pareto“ wählen; Excel sortiert absteigend und zeichnet die Summenlinie. In älteren Versionen Säulen und kumulierten Anteil als Verbunddiagramm mit zweiter Achse anlegen.
Was ist der Unterschied zwischen Pareto-Prinzip und Pareto-Optimum?
Das Pareto-Prinzip ist eine Faustregel zur Verteilung von Ursache und Wirkung. Das Pareto-Optimum ist ein Begriff der Volkswirtschaftslehre für einen Zustand, in dem niemand bessergestellt werden kann, ohne dass ein anderer schlechter gestellt wird. Beide gehen auf Vilfredo Pareto zurück.
Verwandte Begriffe
- Eisenhower-Matrix Aufgaben nach Wichtigkeit und Dringlichkeit ordnen
- Prinzip Grundsatz, von dem anderes ausgeht
- Balanced Scorecard Kennzahlen aus vier Perspektiven
Quellen
- Fachliteratur Quality Control Handbook
- Fachliteratur Joseph M. Juran 1904–2008, in: Memorial Tributes, Volume 14
- Behörde Organisationshandbuch, ABC-Analyse
- Fachliteratur The Best and the Rest: Revisiting the Norm of Normality of Individual Performance