Teamentwicklung

Definition

Teamentwicklung ist der Prozess, in dem aus einzelnen Personen ein arbeitsfähiges Team wird; nach Tuckman in den Phasen Forming, Storming, Norming, Performing und Adjourning.

Ein Team ist mehr als eine Gruppe von Menschen, die zufällig zusammenarbeiten: Es hat ein gemeinsames Ziel, verteilte Rollen und Regeln für die Zusammenarbeit. Die Teamentwicklung beschreibt, wie sich diese Strukturen herausbilden, und umfasst zugleich die Maßnahmen, mit denen Leitung und Team diesen Weg bewusst gestalten. Bewusste Maßnahmen dazu werden auch als Teambuilding bezeichnet.

Beispiel: In einer Kfz-Werkstatt mit fünf Leuten fängt ein neuer Geselle an. In den ersten Wochen ist er zurückhaltend, dann gibt es Reibung, weil er Arbeiten anders erledigt als gewohnt und die Verteilung der beliebten Aufträge infrage stellt. Der Meister setzt sich mit allen zusammen; danach gibt es eine feste Aufteilung nach Fahrzeugtypen und eine Regel für die Diagnosearbeiten. Ab dann läuft die Arbeit ruhiger und schneller.

Die Phasen der Teamentwicklung nach Tuckman

Der US-Psychologe Bruce W. Tuckman beschrieb 1965 vier Phasen, die Gruppen typischerweise durchlaufen. 1977 ergänzte er gemeinsam mit Mary Ann C. Jensen eine fünfte Phase für das Ende der Zusammenarbeit. Die Phasen sind ein Modell; in der Praxis gehen sie ineinander über, und Teams können zurückfallen, etwa wenn neue Mitglieder hinzukommen.

PhaseWas im Team passiertAufgabe der LeitungIn der Werkstatt (Beispiel oben)
Forming (Orientierung)Kennenlernen, Unsicherheit, Höflichkeit; Ziele und Rollen sind noch unklarZiel und Rahmen erklären, Vertrauen aufbauen, alle einbindenDer neue Geselle ist zurückhaltend und fragt viel nach.
Storming (Konflikt)Ringen um Einfluss, Rollen und Arbeitsweisen; erste KonflikteKonflikte zulassen und moderieren, faire Bedingungen sichernStreit über Arbeitsweise und die Verteilung der beliebten Aufträge.
Norming (Regeln)Einigung auf Spielregeln, Rollen und Abläufe; Zusammenhalt wächstVereinbarungen festhalten und unterstützenAufteilung nach Fahrzeugtypen und eine Regel für Diagnosearbeiten.
Performing (Leistung)Das Team arbeitet selbstständig und eingespielt an der AufgabeFreiraum lassen, Hindernisse beseitigen, Fortschritt begleitenDie Arbeit läuft ruhiger und schneller, Absprachen gehen kurz.
Adjourning (Abschluss)Abschlussarbeiten, Übergabe der Ergebnisse, Auflösung des TeamsErgebnisse würdigen, Erfahrungen für künftige Projekte festhaltenBetrifft feste Werkstattteams kaum, eher ein befristetes Projekt wie den Umzug in eine neue Halle.

Die Phase Adjourning betrifft vor allem Projektteams. Ein geordneter Abschluss verhindert, dass ein Team einfach zerfällt, und sichert die Lehren aus dem Projekt.

Wie lange dauern die Phasen?

Tuckman nennt keine Dauer. Wie lange eine Phase dauert, hängt von der Aufgabe, dem Zeitdruck, der Erfahrung der Mitglieder und davon ab, wie oft das Team wechselt. Ein Projektteam für eine Messe kann in wenigen Tagen durch Orientierung und Konflikt gehen; ein festes Team kann Monate in einer Phase bleiben oder zurückfallen, sobald jemand Neues dazukommt oder jemand geht. Für die Leitung ist deshalb weniger wichtig, wie lange eine Phase dauert, als woran sie erkennt, in welcher Phase das Team gerade steht.

Teamentwicklung, Teambuilding, Gruppe: die Begriffe

BegriffBedeutungBeispiel
TeamentwicklungDer ganze Weg, auf dem aus einzelnen Personen ein arbeitsfähiges Team wird, und die Maßnahmen, die diesen Weg begleitenKlare Rollen, Regeln für Besprechungen und regelmäßige Rückblicke über Monate
TeambuildingEinzelne, meist gemeinsame Aktivitäten, die Zusammenhalt und Vertrauen stärken sollen; ein Werkzeug der TeamentwicklungTeamausflug, gemeinsames Kochen, Workshop außerhalb des Betriebs
GruppeMehrere Personen, die zusammen sind oder nebeneinander arbeiten, ohne gemeinsames Ziel und verteilte RollenAlle Beschäftigten, die in derselben Halle arbeiten
OrganisationsentwicklungVeränderung des ganzen Unternehmens mit Struktur, Abläufen und KulturNeue Abteilungen, neue Zuständigkeiten für alle

Wozu Teamentwicklung dient

  • Aufgaben, die eine Person allein nicht bewältigen kann, mit verschiedenen Fähigkeiten gemeinsam lösen
  • Produktivität und Qualität durch eingespielte Zusammenarbeit steigern
  • Verantwortung für das Ganze statt nur für den eigenen Arbeitsschritt stärken
  • Fachliche und soziale Fähigkeiten der Mitglieder entwickeln
  • Nachwuchs für Führungsaufgaben vorbereiten

Maßnahmen zur Teamentwicklung

  • Gemeinsame Ziele und Regeln für Besprechungen, Kommunikation und den Umgang mit Fehlern vereinbaren
  • Rollen und Aufgaben nach Stärken verteilen und regelmäßig überprüfen
  • Regelmäßige Rückblicke: Was lief gut, was ändern wir?
  • Schulungen im Betrieb, etwa zu Kommunikation oder Konfliktlösung, bei Bedarf mit externer Moderation
  • Gemeinsame Aktivitäten außerhalb des Alltags, die den Zusammenhalt stärken

Was heißt das für meinen Betrieb?

Im kleinen Betrieb beginnt die Teamentwicklung mit jeder Neueinstellung von vorn, denn schon ein neues Mitglied verändert Rollen und Gewohnheiten. Hilfreich sind wenige feste Dinge: eine Einarbeitung mit Ansprechperson, eine kurze Besprechung pro Woche, in der auch Reibung angesprochen werden darf, und Vereinbarungen, die man aufschreibt, statt sie nur mündlich zu treffen. Konflikte in der zweiten Phase sind normal und kein Zeichen, dass die Einstellung ein Fehler war. Ideen für gemeinsame Aktivitäten und die Frage, wann ein Teamausflug steuerfrei ist, stehen unter Teambuilding; wie man gute Leute hält, unter Mitarbeiterbindung.

Häufige Fragen

Wer ist Bruce Tuckman?

Bruce W. Tuckman (1938–2016) war ein US-amerikanischer Psychologe und Bildungsforscher. 1965 beschrieb er in der Zeitschrift Psychological Bulletin die Phasen Forming, Storming, Norming und Performing; 1977 ergänzte er mit Mary Ann C. Jensen die Phase Adjourning.

Warum gibt es mal vier und mal fünf Phasen?

Tuckmans ursprüngliches Modell von 1965 hat vier Phasen. Die fünfte Phase, Adjourning, kam erst 1977 hinzu. Wer nur von vier Phasen spricht, lässt das Ende der Zusammenarbeit weg, das vor allem für Projektteams wichtig ist.

Welche Phase ist die schwierigste?

Meist die zweite, Storming. Hier treffen unterschiedliche Erwartungen und Arbeitsweisen aufeinander, und es kommt zu Konflikten. Teams, die diese Phase vermeiden, statt sie zu klären, bleiben oft unter ihren Möglichkeiten.

Kann ein Team eine Phase überspringen?

Selten ganz. Die Phasen können aber sehr kurz oder kaum sichtbar sein, etwa wenn sich die Mitglieder schon kennen oder die Aufgabe genau vorgegeben ist. Häufiger ist der umgekehrte Fall: Ein eingespieltes Team fällt zurück, wenn sich Aufgabe oder Besetzung ändern.

Was ist der Unterschied zwischen Teamentwicklung und Teambuilding?

Teamentwicklung ist der gesamte Prozess, in dem ein Team zusammenwächst, mit allen Maßnahmen dazu. Teambuilding meint einzelne Aktivitäten wie einen Ausflug oder einen Workshop, die den Zusammenhalt stärken sollen. Teambuilding ist also ein Werkzeug der Teamentwicklung.

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. Fachliteratur Developmental sequence in small groups63 (6), 1965, S. 384–399 · Bruce W. Tuckman, Psychological Bulletin
  2. Fachliteratur Stages of Small-Group Development Revisited2 (4), 1977, S. 419–427 · Bruce W. Tuckman, Mary Ann C. Jensen, Group & Organization Studies

Aktualisiert am 19.10.2026 · Geprüft am 21.10.2026 · Redaktion arbeitdigital

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