Prozess

Definition

Ein Prozess ist ein Satz zusammenhängender oder sich gegenseitig beeinflussender Tätigkeiten, der Eingaben nutzt, um ein vorgesehenes Ergebnis zu erzeugen.

Ein Prozess verwandelt etwas, das hineingeht, in etwas, das herauskommt: Material, Informationen oder Arbeitszeit werden zu einem Produkt, einer Dienstleistung oder einer Entscheidung. Die Definition oben folgt der Qualitätsnorm ISO 9000, die im Qualitätsmanagement als Grundlage für Begriffe dient. Ein Prozess kann in Teilprozesse zerlegt werden; mehrere Prozesse greifen oft ineinander.

Beispiel: In einer Kfz-Werkstatt läuft die Inspektion als Prozess ab, von der Terminvergabe über die Fahrzeugannahme, die Arbeiten nach Herstellervorgabe, die Probefahrt und die Rechnung bis zur Fahrzeugübergabe. Eingaben sind Kundenauftrag, Ersatzteile und Arbeitszeit, das Ergebnis ist ein gewartetes Fahrzeug mit Prüfnachweis.

Prozessbeschreibung nach der Formel Input + Aktivitäten = Output aus dem Organisationshandbuch des Bundes
BestandteilInspektion in der Kfz-Werkstatt
AuslöserKunde vereinbart einen Inspektionstermin
Eingaben (Input)Fahrzeug, Kundenauftrag, Herstellervorgaben, Ersatzteile, Arbeitszeit
TätigkeitenFahrzeug annehmen, Arbeiten nach Wartungsplan, Probefahrt, Rechnung schreiben
Ergebnis (Output)gewartetes Fahrzeug mit Prüfnachweis und Rechnung
VerantwortlichWerkstattmeisterin oder Werkstattmeister
MessgrößeDurchlaufzeit von der Annahme bis zur Übergabe

Herkunft des Begriffs

Das Wort stammt vom lateinischen processus, „Fortschreiten, Verlauf“, zu procedere, „vorwärtsgehen“. Ins Deutsche kam es zuerst als Rechtsbegriff für ein Gerichtsverfahren. Die allgemeine Bedeutung „Verlauf, Entwicklung“ ist seit dem 16. Jahrhundert belegt und wurde zunächst in den Naturwissenschaften gebraucht.

Welche Arten von Prozessen gibt es?

Nach der Aufgabe, die ein Prozess erfüllt, unterscheidet das Organisationshandbuch des Bundes drei Prozessarten. Die Einteilung ist auch in Betrieben üblich; Führungsprozesse heißen dort oft Managementprozesse.

ProzessartAufgabeBeispiel im kleinen Betrieb
Kernprozesserbringt die eigentliche Leistung für die Kunden und schafft den WertInspektion durchführen, Auftrag abwickeln
Führungsprozesssetzt Ziele, plant und steuert die Kern- und UnterstützungsprozesseJahresziele planen, Mitarbeitergespräch führen
Unterstützungsprozessstellt Personal, Material, Geld und IT für die Kernprozesse bereitErsatzteile bestellen, Lohn abrechnen, Rechner pflegen

Die drei Arten hängen voneinander ab: Kommen Ersatzteile zu spät oder fehlt eine Schulung, leidet auch der Kernprozess. Wie Betriebe ihre Geschäftsprozesse dokumentieren und darstellen, steht im eigenen Eintrag.

Bedeutungen in verschiedenen Bereichen

  • Betriebswirtschaft: eine Folge von Tätigkeiten, die ein Ergebnis für interne oder externe Kunden erzeugt, etwa Auftragsabwicklung oder Einkauf. Richtet sich der Prozess auf ein Ergebnis für den Kunden, spricht man vom Geschäftsprozess.
  • Recht: ein gerichtliches Verfahren, etwa Zivil- oder Strafprozess.
  • Informatik: ein Programm, das gerade ausgeführt wird, mit eigenem Speicherbereich. In der Softwareentwicklung beschreiben Normen wie ISO/IEC/IEEE 12207 die Prozesse im Lebenszyklus einer Software.
  • Technik und Naturwissenschaft: ein Vorgang, bei dem Stoff, Energie oder Information umgewandelt, transportiert oder gespeichert wird, etwa ein chemischer oder ein Fertigungsprozess.
  • Finanzwesen: etwa der Kreditprozess vom Antrag über die Prüfung der Bonität bis zur Auszahlung.

Merkmale eines Prozesses

  • Auslöser und Ende: ein klarer Anfang, etwa ein Auftrag, und ein klares Ergebnis.
  • Eingaben: Material, Informationen, Arbeitszeit, Werkzeuge.
  • Tätigkeiten: Schritte in einer festgelegten oder sinnvollen Reihenfolge.
  • Ergebnis: ein Produkt, eine Dienstleistung oder eine Information mit Nutzen für einen Empfänger.
  • Verantwortung: jemand, der für den Ablauf als Ganzes zuständig ist.

Wer Prozesse so beschreibt, sieht schneller, wo Wartezeiten, doppelte Arbeit oder Fehlerquellen liegen, und kann Abläufe verbessern oder automatisieren.

Prozesse beschreiben: so geht es

  1. Benennen: jeden Prozess mit Gegenstand und Tätigkeit bezeichnen, etwa „Angebot erstellen“ oder „Lohn abrechnen“, und einer Prozessart zuordnen.
  2. Anfang und Ende festlegen: Was löst den Prozess aus, womit ist er fertig?
  3. Input, Tätigkeiten, Output aufschreiben: was hineingeht, welche Schritte in welcher Reihenfolge folgen und was am Ende herauskommt.
  4. Übergaben markieren: Wo wechselt die Arbeit von einer Person oder einem Programm zur nächsten? An diesen Schnittstellen entstehen besonders oft Fehler und Wartezeiten.
  5. Wichtige Prozesse zuerst: mit den Abläufen beginnen, die am häufigsten vorkommen oder die meiste Arbeitszeit binden.

Was heißt das für meinen Betrieb?

In kleinen Betrieben stecken viele Abläufe im Kopf der Inhaberin oder eines erfahrenen Mitarbeiters. Das geht gut, bis jemand krank wird, ein neuer Kollege eingearbeitet werden muss oder eine Software eingeführt wird. Dann lohnt es sich, die zwei oder drei wichtigsten Kernprozesse auf einer Seite festzuhalten. Ein solcher Ablauf ist auch die Grundlage, bevor Schritte automatisiert oder in einem ERP-System abgebildet werden. Wie der Einstieg gelingt, zeigt der Leitfaden zur Digitalisierung.

Bedeutungsähnliche Wörter

  • Allgemein: Ablauf, Abfolge, Verlauf, Vorgang, Hergang, Entwicklung; im Betrieb und in der IT auch Workflow.
  • Im Recht: Gerichtsverfahren, Rechtsstreit, Verhandlung.

Häufige Fragen

Welche drei Prozessarten gibt es?

Kernprozesse erbringen die Leistung für die Kunden, Führungsprozesse planen und steuern, Unterstützungsprozesse stellen Personal, Material, Geld und IT bereit. So unterscheidet sie das Organisationshandbuch des Bundes.

Was sind Merkmale eines Prozesses?

Ein Prozess hat einen Auslöser und ein Ende, nutzt Eingaben wie Material, Informationen oder Arbeitszeit, besteht aus Tätigkeiten in einer Reihenfolge, liefert ein Ergebnis für einen Empfänger und hat jemanden, der für den Ablauf als Ganzes verantwortlich ist.

Was ist ein anderes Wort für Prozess?

Allgemein Ablauf, Vorgang, Verlauf oder Entwicklung, im Betrieb und in der IT auch Workflow. Im Recht steht Prozess für Gerichtsverfahren oder Rechtsstreit.

Schreibt man Prozess mit ss oder ß?

Mit ss: Prozess, Plural Prozesse. Die frühere Schreibung Prozeß gilt heute als ungültig.

Was ist der Unterschied zwischen Prozess und Geschäftsprozess?

Prozess ist der allgemeine Begriff für jede Folge von Tätigkeiten, die aus Eingaben ein Ergebnis macht. Ein Geschäftsprozess ist ein Prozess, dessen Ergebnis einen Wert für Kunden hat, etwa die Abwicklung eines Auftrags von der Anfrage bis zum Geldeingang.

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. Fachliteratur ISO 9000:2026 Quality management – Fundamentals and vocabulary5. Ausgabe, Abschnitt 3.3 Begriffe zum Prozess (zuvor ISO 9000:2015, 3.4.1) · International Organization for Standardization (ISO) · abgerufen 16.10.2026
  2. Behörde Organisationshandbuch, 2.3.2 BegriffeAbschnitt 2.3.2.2 Prozessarten; Formel Input + Aktivitäten = Output · Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung · abgerufen 19.10.2026
  3. Behörde Organisationshandbuch, 2.3.3 Prozesse identifizieren und priorisierenBezeichnung aus Objekt und Verrichtung, Priorisierung · Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung · abgerufen 19.10.2026
  4. Fachliteratur ProzessUngültige Schreibung „Prozeß“ · Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS), Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften · abgerufen 19.10.2026

Aktualisiert am 19.10.2026 · Geprüft am 19.10.2026 · Redaktion arbeitdigital

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